Her mit den Nüssen!
© Gunnar Welleen
Her mit den Nüssen!
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Ich muss zugeben, dass ich neben der großen Begeisterung und nicht minder großen Aufregung, meinen ersten Siebenschläfer zu sehen, auch ein wenig besorgt war, dass der Kerl meine Hosenbeine emporklettert – von innen! Aber der Reihe nach:

Ich liege auf dem Waldboden und widme mich ganz der Pflanzenfotografie, als ich links von mir ein Rascheln vernehme. Mein erster Gedanke:
– eine Maus, eine Amsel?

Dann sehe ich auch schon, wie ein graues Etwas auf mich zuläuft und sich dabei teils wie ein Känguru hüpfend fortbewegt, so hat es jedenfalls den Anschein.

– Ratte? Nein, nicht hier mitten im Wald und auch nicht so grau. Ob das eine Springmaus ist? Aber so groß? Entlaufenes Chinchilla? Könnte auch ein Siebenschläfer sein… Hab da mal ein Foto im Forum gesehen.

Schnell ein Kameraschwenk versucht; mist, das Stativ behindert hier am Boden die Mobilität. Also gaaaanz vorsichtig aufgerichtet und Kamera samt Stativ Richtung Motiv geschwenkt. Der kleine Kerl lässt sich davon nicht beeindrucken, hüpft/klettert/läuft in zwei drei Metern Abstand an mir vorbei.

– Klasse, ich hab grad das 225er drauf. Und wie süß der jetzt da grade sitzt.

Schnell auf Autofokus gestellt, fokussiert, Auslöser betätigt – doch es tut sich nichts. Sch…! Was’n jetzt??? Noch mal abgedrückt, immer noch nichts. Ach so, ja, Infrarot-Fernbedienung ist noch an der Kamera eingeschaltet. Umgestellt, einmal probiert, zweimal probiert, wunderbar, klappt jetzt, und der Kleine hockt noch immer da. Man, was hab ich für ein Glück!

Wieder fokussiert, abgedrückt – doch es tut sich jetzt schon wieder nichts.
– Verd… Das gibt´s doch nicht!!!

Auotfokuseinstellungen überprüft. Habe in Erinnerung, dass es Einstellungen gibt, bei denen die Kamera nur auslöst, wenn scharf gestellt ist. Aber auch bei allen anderen Einstellungen tut sich nichts. Ratlosigkeit, bis mir einfällt, dass die Speicherkarte vorhin schon recht voll war.

Der Graue ist inzwischen schon wieder ein Stück weitergelaufen, hat sich am nächsten Ort niedergelassen. Immer noch in erreichbarer Entfernung. So ein Glück!

Speicherkarte überprüft, schnell einige Bilder gelöscht – der Kleine sitzt immer noch da. Gut! – Der lässt sich von mir wohl nicht stören.

Position gewechselt, fokussiert, doch das Bild wird nicht scharf. Neiiin, das darf doch nicht wahr sein!!! Wieviel Pech habe ich eigentlich? Schnell wieder auf manuell fokussieren umgestellt, weil Blätter den Autofokus irritieren. Doch inzwischen scheint es bei dem Gesellen mit der Seelenruhe vorbei zu sein. Zielstrebig läuft er zwischen Farnkräutern, die die Sicht behindern, auf ein dichtes Unterholz zu und verschwindet.

Ich kann mich in den A… beißen, dass ich die Gelegenheit zu einem guten Foto durch eigene Schusseligkeit habe verstreichen lassen. Doch nein, ich will noch nicht aufgeben.

– So zielstrebig, wie der in diese Richtung lief, könnte es doch sein, dass er am anderen Ende des Unterholzes wieder zum Vorschein kommt.

Ich mache mich schnell um das Gebüsch herum, in dem der kleine Kerl verschwand, und positioniere mich am anderen Ende. Und richtig, ich kann mein Glück nicht fassen, als ich kurz darauf links von mir eine Bewegung wahrnehme und einen grauen Schatten hinter ein paar jungen Bäumchen erkenne. Da kommt er auch schon an, langsam, mal ein paar Sprünge in diese Richtung, mal in jene Richtung, aber immer etwas dichter auf mich zu.

Wieder Einstellung auf Autofokus gesetzt, gewartet, bis sich der Kleine ganz süß in Pose setzt, abgedrückt, doch bevor die Kamera auslöst, ist das Tierchen schon wieder munter weiter auf seinem Weg, der ihn immer dichter auf mich zu führt. Wieder fokussiert, abgedrückt, doch warum braucht der Auslösemechanismus so lange? Ja, richtig, die Spiegelvorauslösung; ist nicht so gut, die bei einem sich bewegenden Motiv eingeschaltet zu lassen.

Derweil läuft das Kerlchen immer weiter auf mich zu. Ich versuche ihn durch das Objektiv anzuvisieren. Zwei Meter, einen Meter, einen halben Meter…
– Der will doch nicht etwa…???

Rumps. Doch, er will! Erkunden, was das für ein merkwürdiger Baum ist, der da in der Gegend rumsteht. Als ich meinen Blick vom Okular abwende und an mir heruntergucke, blicken mir zwei große, runde, schwarze Augen über einem spitzen Näschen und laaaangen Barthaaren entgegen. Ob’s da was zum Futtern gibt? Ich sehe es seinem begierigen Blick an: Der ist auf Nüsse aus. Oh Hilfe, hoffentlich macht er sich jetzt nicht den künstlichen Baumstamm rauf.

Das ist mir in dem Augenblick aber auch egal. Die Kamera funktioniert endlich so, wie sie soll (na endlich!) und ich schaffe noch einige Aufnahmen, bis das Tierchen es sich wohl anders überlegt hat. Dann ist es auch schon in raschem Sprung wieder auf dem Boden und auf und davon. Einige Wischer bekomme ich noch hin, wie der Siebenschläfer den nächsten, diesmal echten Baumstamm emporflitzt.

Nun ja, sonderlich scharf ist das einzige vorzeigbare Foto leider nicht (zuletzt hätte ich noch an die ISO denken sollen), aber es ist zumindest eine tolle Erinnerung an ein einmaliges Ereignis.
Autor: ©
Eingestellt:
Natur: Naturdokument ?
Fotografischer Anspruch: Anfänger ?
Technische Angaben: zeigen
Dateigröße: 280.3 kB, 800 x 532 Pixel.
Technik:
D90; Sigma 225mm KB-Äquiv.; Stativ mit Freihand;-); f8.0; ISO unbekannt; 1/30s
Ansichten: 28 durch Benutzer, 262 durch Gäste
Schlagwörter:,
Rubrik
Mensch und Natur:
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