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Der Geist der Felder

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Eingestellt:
Aufgenommen: 2023-12-17
JW ©
Wie Geister, so erscheinen mir die Kornweihen oft - durch ihr besonderes Aussehen vor allem die ausgefärbten Männchen.
Mal sieht man gleich mehrere irgendwo über dem Acker in Kniehöhe mit V-förmig gehobenen Schwingen in ihrem eleganten Suchflug. Mal sieht man über Stunden ringsum soweit das Auge reicht gar keine fliegen. Und doch sind sie irgendwie fast immer da, bleiben nur oftmals auch längere Zeit verborgen am Boden sitzend (manchmal übrigens auch aktiv am Boden jagend). Oder halt knapp hinter einer Bodenwelle in der Ferne dicht über Grund fliegend und durch die Geländeform im toten Winkel.

Da ich mangels Auto und Führerschein nicht mal eben Hotspots wie den Federsee ansteuern kann und ich ohnehin mehr die Herausforderung vor der Haustür mag (selbst finden was bei mir da ist und dann hier gute Fotos hinkriegen), begleiten mich diese faszinierenden Greifvögel nun schon einige Jahre lang jeden Winter sozusagen als Langzeitprojekt.
So bin ich jede Saison auf den noch offenen Ackerflächen im stark zersiedelten Stuttgarter Ballungsraum unterwegs und schaue wo was gehen könnte.

Trotz wirklich viel reingesteckter Vorarbeit sind mir erst im Winter 22/23 (für meine Ansprüche) brauchbare Bilder gelungen. Davor war irgendwie nie was dabei - immer alles zu weit weg, zu düster und flau, zu nervige Hintergrund- oder Vordergrundelemente mit drin (seien es Bäume, Pferdekoppel-E-Zaun, Halme, im Bokeh noch erkennbare Gewerbegebiete im HG, oder sonstwas), oder halt ganz bitter: eigentlich alles top, aber genau in dem Moment das Gesicht der Weihe weggedreht.
Natürlich erfreuen und entschädigen aber auch die Sichtungen auf dem Acker immer wieder für die Mühe. Diesen Winter hatte ich mehrmals Sumpfohreulen und Goldregenpfeifer in demselben Gebiet (einmal sogar beides genau zeitgleich), dazu auch immer wieder Trupps von Rohrammern, Bluthänflingen, Stieglitzen an den Brachen, Feldlerchen, Wiesenpieper, Bergpieper und Silberreihern in der Umgebung.

Der Traum schlechthin ist für mich immer ein Foto vom adulten Männchen, am besten genau frontal symmetrisch und bei Schneefall. Nun wollte es der Zufall bei dem Bild hier zwar anders, aber trotzdem bin ich damit vorerst sehr zufrieden.
Das mandarinfarbene Streiflicht der waagrecht einfallenden Abendsonne gefällt mir auf der Kornweihe sehr.
Es erzeugt einen gut passenden kalt-warm-Kontrast und peppt das Bild dadurch etwas auf.
Die "Schichten" im Hintergrund setzen sich von unten nach oben wie folgt zusammen: Acker - weiter entfernter Wald - Albtrauf. Was im oberen Bereich fast wie Himmel wirkt ist also tatsächlich der weit entfernte Anstieg der Schwäbischen Alb, die helle Farbe kommt durch den dichten frostigen Dunst zustande, der an diesem Tag über dem Neckartal lag.

Die Aufnahme ist aus dem Tarnzelt entstanden, das ich seit Ende Oktober an derselben Stelle auf einem schmalen und wenig frequentierten Grasweg am Rande einer Ackerbrache aufstelle. Dem voraus ging eine ausgiebige Beobachtung der Raumnutzung um zu sehen wo immer wieder relativ oft Flugaktivität ist.

Vielleicht findet Ihr auch ein bisschen Gefallen an dem Bild.

LG & viel Erfolg an alle im neuen Jahr mit euren Fotoprojekten!
Jochen

Technik:
NIKON Z 9, NIKKOR Z 400mm f/2.8 TC VR S Z TC-2.0x
1/1250s, F/5.6, ISO 4000, 800mm
M, Manueller Weißabgleich
23.71m Distanz
Fotografischer Anspruch: Fortgeschritten ?
Dokumentarischer Anspruch: Ja ?
Größe 862.3 kB 1500 x 1000 Pixel.
Platzierungen:
Beste Tophit-Platzierung: 11 Zu den Tophits
Ansichten: 121 durch Benutzer569 durch Gäste
Schlagwörter:
GebietBaden-Württemberg
Rubrik
Vögel:
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