Weihnachtsmann
© Jens Kählert
Weihnachtsmann
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Da ist er wieder, unser Weihnachtsmann! Ich habe kein aktuelles Foto aus diesem Jahr, daher musste ich auf eine alte Festplattenkonserve aus dem Jahr 2006 zurückgreifen. Damals fotografierte ich noch mit 8 Mio. Pixeln, heute sind's 10 Mio, bald werden es noch viel mehr…

Der Rückblick auf ein ablaufendes Forumsjahr zeigt viele Ereignisse und Veränderungen. Die Anzahl der Forumsbenutzer ist wieder einmal gewaltig angewachsen. Als ich hier vor 4 ½ Jahren einstieg, war ich etwa das 620. Mitglied, Ende 2008 zählten wir knapp 2600 Fotografen und Fotografinnen, heute bin ich eines von etwa 3300 Mitgliedern. Wir haben viele neue Bilder gesehen und Anregungungen bekommen. Auch die Programmstruktur ist neu, sie gefällt mir außerordentlich gut (bis auf ein paar Kleinigkeiten). Herzlichen Dank an Uwe für die riesige Mühe, deren Ausmaß wir nur erahnen können!

Im Zentrum stehen natürlich unsere Bilder. Das Niveau ist enorm hoch, auch wenn reichlich Ausreißer dazwischen sind. Der viel zitierte Forumsgeschmack ist weiterhin unverkennbar vorhanden und wird m.E. stark durch die Bildkritiken definiert. Wer hier in der Hoffnung auf anerkennende und motivierende Worte ein Bild einstellt, macht sich bestimmt schon vorher Gedanken, an welcher Stelle etwas zu kritisieren sein könnte. So scheiden einige Aufnahmen von vornherein aus, die Bildauswahl wird enger, man folgt den weit verbreiteten und in Kommentaren oft gelesenen "Forumsregeln" und vermeidet Bilder, bei denen bestimmte Anmerkungen vorhersehbar sind. Wir achten auf Belichtung, Farben, Schärfe, Pose, Hintergrund, Abstände von den Bildrändern usw. Sicherlich wenden andere Fotografen, fotografische Vereinigungen und Bildreaktionen von Zeitschriften auch ihre Kriterien an.

Dennoch geht's hier irgendwie anders zu. Auf meinen Besuchen beim GDT-Festival in Lünen kam mir immer wieder die Erkenntnis, dass die in GDT-Wettbewerben erfolgreichen Bilder in unserem Forum nicht unbedingt ähnliche Lorbeeren ernten (bzw. ernten würden) – und umgekehrt. Ich habe da z.B. ein GDT-Siegerfoto vor Augen, das hier nur einen mittelmäßigen Platz im Monatswettbewerb erreicht hat. Es ist der insgesamt andere "Charakter" und Stil, der unser Forum von der GDT und ihren Wettbewerben unterscheidet. (Unsere besseren Bilder können aber neben denen der GDT durchaus bestehen.)

Ich greife dazu mal eine Aussage des südafrikanischen Tierfotografen Heinrich van den Berg auf, der in seinem fantastischen Vortrag auf dem GDT-Festival in Lünen 2008 sinngemäß Folgendes sagte: Nachdem er lange Zeit Tiere nach konventionellen Regeln fotografiert hatte, beschloss er eines Tages, sich von gewohnten Sichtweisen zu lösen. Er hatte sich bisher meistens darum bemüht, die Lichtquelle im Rücken zu haben und keine Beine, Flügel, Schwänze, Köpfe usw. anzuschneiden. Seine späteren Bilder zeigten, dass er sich fortan nicht mehr so sehr um konventionelle Gestaltungsregeln, angeschnittene Körperteile, um unvollkommene Belichtung und Schärfe, um mangelhafte Bildausschnitte usw. scherte. Und siehe da: Seine Aufnahmen strahlten mehr Intensität und Lebendigkeit aus, sie sprachen den Betrachter enorm an und hatten eine eindringlichere Aussage. Einmal vom Zwangskorsett gewisser Regeln befreit, wurden seine Bilder nicht nur anders, sondern auch besser.

Solche "mutigen" Bilder erreichen den Betrachter, wirken emotional stark, strahlen Intensität aus, erregen Aufmerksamkeit, Bewunderung und vielleicht Anteilnahme. In Lünen habe ich in den Vorträgen, Ausstellungen und Wettbewerben mehrere Bilder gesehen, die im Forum gescheitert wären, die hier wegen irgendwelcher Unvollkommenheiten wenig beachtet oder gar "zerrissen" worden wären.

Was will ich damit sagen? Unsere Beurteilungskriterien (ich entschuldige mich für die Verallgemeinerung) bewegen sich so manches Mal in zu konventionellen und "braven" Bahnen. Nicht das technisch perfekte und nach allgemein akzeptierten Maßstäben "komponierte" Bild ist unbedingt das gute Bild, sondern das, welches den Betrachter erreicht. Wie oft – ich schließe mich da gar nicht aus – haben wir technische Aspekte und Bildgestaltungsregeln in den Vordergrund gestellt und ein Bild damit hochgelobt oder abgelehnt. Vielleicht gelingt es auch mir, mich von gewohnten Bahnen zu lösen, formale Zwänge abzulegen, mich auch nicht mehr um angeschnittene Körperteile zu kümmern, aber die Aussage zu verstärken und damit ein Bild von anderen Qualitäten leben zu lassen. (Nur sollten wir nicht zum Umkehrschluss kommen: Ein nach konventionellen Maßstäben schlechtes Bild muss deswegen nicht gleich ein gutes, ausdrucksstarkes sein.)

Dazu passt ein Zitat des großen Meisters Andreas Feininger, das ich hier im Forum schon ein- oder zweimal in Kommentaren angeführt habe:
"Die Tatsache, dass eine (im konventionellen Sinn) technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmäßig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht."

Mit diesen zum Nachdenken anregenden Worten wünsche ich euch allen ein frohes Fest sowie ein gutes und fotografisch erfolgreiches Jahr 2010! Was und wie man auch immer fotografiert, möge an allererster Stelle der Spaß und die Freude an unserem wunderschönen Hobby stehen! Dieser Geist prägt auch schon lange unser Miteinander im Forum. Auch wenn es hier und da zu Ruppigkeiten, Differenzen oder gar bösen Worten kommt, überwiegt ganz eindeutig der freundliche Umgang, das angenehme Miteinander – und das nicht nur zu Weihnachten und Ostern, wenn viele lieb gemeinte Grüße über die Startseite ziehen.

Mein Dank geht an den Systembetreiber und die Admins, die uns mit ihrer Arbeit und ihrem Engagement dieses Forum ermöglichen.

Liebe Grüße
Jens


P.S. Mein Weihnachtsmann dürfte vielen langjährigen Mitgliedern bereits bekannt sein. Den neuen unter uns möchte ich ihn vorstellen: Der Libellen-Weihnachtsmann hört auf den Namen Crocothemis erythraea (Feuerlibelle).

Und noch etwas: Wenn der Weihnachtsmann an der Tür klingelt, macht ihm doch auf. Vielleicht hat er ja die neue Kamera, das lang ersehnte Objektiv, Stativ oder…
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