Eines der besten Springer im Tierreich
| Eingestellt: | 2026-03-05 |
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| Aufgenommen: | 2026-02-24 |
| IK © | |
| Die Schaufel-Spornzikade (Asiraca clavicornis) hat neben kräftigen, keulenförmigen Fühlern (daher der Name clavicornis = „keulenhörnig“) eben auch diese namensgebenden, extrem abgeflachten und blattartig verbreiterten Vorderbeine. Die breiten Vorderbeien haben wohl keine Funktion und werden als Tarnung angesehen. Sie ist der einzige Vertreter der Unterfamilie Asiracinae in ganz Europa. Unter den rund 130 mitteleuropäischen Spornzikaden-Arten ist sie aufgrund ihrer Anatomie völlig unverwechselbar. Sie überwintert als ausgewachsenes Tier (Imago). Deshalb gehört sie zu den ersten Insekten, die man im Frühjahr, bei mir schon Ende Februar, aktiv beobachten kann. Sie ist sehr wärmeliebend und sonnt sich gerne. Das Bild täuscht, sie ist ein Winzling und nur 3,5 bis 5,5mm lang. Eine Spornzikade kann aus dem Stand über das 200-Fache ihrer eigenen Körperlänge weit springen. Für die etwa 5 Millimeter kleine Schaufel-Spornzikade bedeutet das Sprünge von 50 Zentimetern bis weit über einen Meter! Die Zikade benötigt für den Absprung nur etwa 1 bis 2 Millisekunden. In diesem Wimpernschlag beschleunigt sie auf eine Geschwindigkeit von bis zu 5 Metern pro Sekunde (das sind 18 km/h – aus dem absoluten Stillstand. Bei diesem rasanten Katapultstart wirken Kräfte von 400 bis über 700 G auf den winzigen Insektenkörper. Die Zikaden nutzen ein biologisches Katapult-System. Sie „hakt“ ihre Hinterbeine mechanisch fest und spannt dann über längere Zeit einen riesigen Muskel an. Diese Kraft wird in einem speziellen, extrem elastischen Protein namens Resilin im Gelenk gespeichert – genau wie bei einem gespannten Bogen oder einer Armbrust. Wenn Gefahr droht, löst sie den Riegel. An dem rechten Hinterbein sieht man oben den namengebenden starren größeren Dorn, er funktioniert als Führungsschiene beim Springen, der untere flexiblere bohrt sich beim Absprung in den Boden und gibt den benötigten Grip und eine Flächenvergrößerung für die Absprungkraft. Grüße Ingolf |
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| Technik: | OM Digital Solutions OM-1MarkII, OM 90mm F3.5 + MC-20 M, Manueller Weißabgleich 0.27m Distanz |
| Bearbeitung | Gestempelt Tiefenschärfe verändert |
| Fotografischer Anspruch: | Dokumentarisch ? |
| Dokumentarischer Anspruch: | Ja ? |
| Größe | 1.0 mB 2800 x 2091 Pixel. |
| Platzierungen: |
Beste Tophit-Platzierung: 9 Zu den Tophits
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| Ansichten: | 69 durch Benutzer91 durch Gäste |
| Schlagwörter: | schaufel-spornzikade asiraca clavicornis |
| Gebiet | Niedersachsen |
| Rubrik Wirbellose: | |
noch mehr als das unfaßbar gute Stackbild "flasht" mich deine Beschreibung,die weit über alles hinaus geht,was ich so über die normalen Suchmaschinen finden kann.Da kann man sehr viel lernen,danke.
Ich habe mich in den vergangenen Jahren recht intensiv mit Cicadella viridis als Motiv befaßt,ich wollte bildlich
festhalten,wie toll sie springen udn gleiten können,selbst mit der Oly sehr schwierig z7u machen.
Aber gute Infos über die Zikaden finde ich leider nicht,vermutlich nutzt sie ein ähnliches System wie die Spornzikade,kann aber durch die Flügel noch weiter fliegen/gleiten.
Muß demnächst mal ein Bild zeigen .
Gruss
Otto
Ich besitze das Buch die Zikaden Deutschlands, Österreichs und der Schweiz von Mühlethaler et al. Es gibt einen guten Überblick. Da Cicadella viridis auch als potenzieller Schädling in der Forstwirtschaft (an Jungbäumen) oder als Überträger von Pflanzenkrankheiten gilt, gibt es überwiegend nur spezielle Studien für die Forstwirtschaft.
Ganz aktuell (2025) wurde das komplette Genom der Binsenschmuckzikade im Rahmen des „Darwin Tree of Life“-Projekts entschlüsselt.
Wenn du nach den genauen physikalischen Messdaten suchst – also wie die enormen G-Kräfte (bis über 700 G) und die Startgeschwindigkeiten berechnet wurden –, ist dieses Paper die beste Quelle:
Autor: Burrows, M. (2009)
Titel: Jumping performance of planthoppers (Hemiptera, Issidae).
Journal: The Journal of Experimental Biology, 212(17), 2844-2855.
In dieser Studie wird die Sprung-Kinematik analysiert. Burrows rechnet hier genau vor, dass die gemessene Leistung die Kapazität normaler Muskelkontraktion um ein Vielfaches übersteigt, was den zwingenden Beweis für das Vorhandensein eines Katapult-Mechanismus lieferte.
All diese Paper (insbesondere die aus dem Journal of Experimental Biology und PLoS ONE) sind oft als "Open Access" frei im Internet als PDF verfügbar.
Ich hoffe ich habe Dich mit den Informationen nicht überfahren.
LG Ingolf
für die tollen Infos und Quellen.
Ansehen werde ich mir das sicher,ob ich als Hobbyknipser damit zurechtkomme,wer weiß
Gruss
Otto
das ist mal wieder ein umwerfend detailreiches Bild, und ich denke mal, dass es im Internet kein besseres gibt. Hervorragende Aufnahme, wie gewohnt von dir. Zudem habe ich wieder was dazugelernt. Wo findest du diese Kleinstlebewesen nur? In letzter Zeit schaue ich auch im Gelände mal etwas genauer, aber im Moment
ist sowieso nichts zu machen...Starkregen und das soll noch mehrere Tage dauern.
Bei allen deinen Beschreibungen wird immer wieder klar, wie wenig wir über die Organismen wissen, die uns umgeben, und mit denen wir den Planeten teilen.
Liebe Grüsse,
Marion
So lange bei uns das stabile Hoch festsitzt, werden die Tiefdruckgebiete nach Süden abgelenkt. 🤔
LG Ingolf
Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen, wieder ein sehr außergewöhnliches Bild von Dir! Diese räumliche Tiefe ist sehr beeindruckend!! Und die vielen detaillierten Infos machen, wie immer, viel Freude.
Viele Grüße sendet Katja
diese Zikade wirkt ja fast monströs, wenn man das Bild großklickt.
Ein tolle Perspektive, und gestalterisch bestens umgesetzt!
Die Ausführungen zum Sprungverhalten sind äußerst interessant.
VG Michael
Auf das Bild kannst Du sehr stolz sein. Nicht nur, das ich diese Art (wieder) noch nicht gesehen habe,
das Insekt ist auch derart bizarr, das ich nur staunen kann.
Du hast es auch durch die schräge Anordnung unheimlich spannend ins Bild gesetzt.
Hier ist schon die volle Punktzahl von mir.
schönen Tag noch
BG Robert
Grüße Ingolf