1 Jahr Insektenhotel
© Magdalena Schaaf
1 Jahr Insektenhotel
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Hallo,

vielleicht erinnern sich ja noch einige an mein letztjähriges Adventskalendertürchen: Da hatte ich eine kleine Bauanleitung meines Insektenhotels vorgestellt. Dieses Jahr gibt es sozusagen die Fortsetzung, denn in nur einer Saison haben sich mindestens 15 Arten eingefunden. Hier nun einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Nisthilfenbesiedler!


1) der erste Bewohner und der früheste im Jahr: Die gehörnte Mauerbiene, Osima bicornis. Sie verschließt ihre Nester mit Lehm und trägt Pollen als Nahrung für die Brut ein.

2) + 3) + 4) + 5) zeigt eine Lehmwespe, Ancistocerus. Die Weibchen auf Foto 2) (A. nigricornis) fliegt gerade Lehm für den Verschluss ein. Auf den Fotos 4) + 5) seht Ihr das erste schlüpfende Männchen, das deutlich größer ist als das Weibchen – es war eines meiner Highlights, den Schlupf beobachten und dokumentieren zu können: Manche Arten haben 2 Generationen im Jahr. Auf 3) ist auch ein Ancistocerus-Weibchen aus dem Sommer zu sehen, das nicht näher bestimmt werden konnte. Hier kann man die Nahrung für die Larven erahnen: Sie trägt gerade eine Käferlarve ein (vermutl. Rüsselkäfer).

6) Dieses schöne Tier ist eine Goldwespe aus der Artengruppe Chrysis ignita und der Kuckuck von Ancistocerus. Die Goldwespen legen von dem Lehmwespe unbemerkt ihr Ei ab: Die schlüpfende Goldwespe ist ein Futterparasit, d.h. sie tötet zwar die Larve der Lehmwespe, ernährt sich aber nicht von ihr (sondern vom Futtervorrat). Auch hier konnte ich einen Schlupf der 2. Generation verfolgen.

7) zeigt die bei mir häufigste Art: Die Löcherbiene, Heriades truncorum. Und sie ist fast schon anstrengend, denn sie besiedelt rücksichtslos alles ;) Eigentlich ist die bevorzugte Bohrlochgröße 3-4mm, aber wenn alles belegt ist, quetschen sie sich entweder in die kleinen Löcher oder bauen mit viel Material doppelt so große Bohrungen zu… oder, schlimmer: sie räumen einfach fremde Nester aus. Das geht soweit, dass sich die Tiere auch unter ihren Kollegen Nestmaterial klauen. Der Nestverschluss ist aus Baumharz und wird gerne mal am Nachbarnest abmontiert, statt aufwändig gesammelt zu werden. Unter Löcherbienen-Löchern finden sich auch oft große Pollenhäufchen: Hier streiten sich zwei oder mehr Weibchen um das Nest und räumen dann abwechselnd den fremden Pollen aus. Ökonomisch wahnsinnig, denn die Bienen fliegen zig mal, um den Pollen für ihren Nachwuchs zu sammeln. Zur Tarnung des Nesteingangs werden gerne auch mal Steinchen und ähnliches aufgeklebt.
Übrigens ist die Löcherbiene eine Bauchsammlerbiene und sammelt Pollen, indem sie mit dem Bauch auf Korbblütlern trommelt (also nicht wie Honigbienen mit den Hinterbeinen).

8) Damit die Löcherbiene nicht zu invasiv wird, gibt es auch hier zwei Parasitoide, einer ist hier abgebildet: Die Keulenwespe Sapygina decemguttara. In Abwesenheit der Löcherbiene klettert sie ins Nest und legt ein Ei, um dann unauffällig wieder zu verschwinden. Der zweite Parasit ist die Düsterbiene (nicht hier abgebildet), die optisch den Löcherbienen sehr ähnlich ist.

9) + 10) zeigt einen wahren Gartennützling: Blattlauswespen besiedeln Bohrlöcher von 1-2mm Durchmesser und tragen als Larvennahrung Blattläuse ein (bis zu 70 pro Nistgang, bis zu 10 Nester pro Weibchen, mehrere Generationen). Auch sie verschließen ihr Nest mit Harz und umgeben es zusätzlich mit einem Sicherheitswall aus kleinen Harztröpfchen.

11) zeigt ein schlüpfendes Männchen der Maskenbiene (Hylaeus). Maskenbienen haben im Vergleich zu den bisherigen Arten einen ganz zarten Verschluss, den man am Rand auch noch erkennen kann: Ein dünnes Häutchen, ähnlich Seidenpapier.

12) Diese Gichtwespe (Gasteruption) parasitiert die Maskenbiene – der dünne Verschluss kann problemlos vom Legebohrer durchstoßen und im Nest ein Ei abgelegt werden. Alternativ bohren sich Parasiten auch durch das Holz neben der Öffnung statt durch den eigentlichen Nestverschluss.

13) Eine winzig kleine Erzwespe, auch ein Parasit. Ob und welche Art sie in meinen Nisthilfen parasitiert, weiß ich nicht – vielleicht hat sie auch nur nach potentiellen Wirten gesucht.

14) Ein weiterer Parasit, mit dem bekannteren Wollschweber bekannt (der parasitiert übrigens auch Wildbienen): Der Trauerschweber Anthrax anthrax. Er wirft im Flug seine Eier an die Nesteingänge ab (und kann dafür wie der Wollschweber oder Kolibri in der Luft stehen), die schlüpfende Larve muss schnell in das Nest wandern, bevor der Wirt zurückkommt. Auf diesem Bild sieht man, wie das Weibchen ihr Abdomen mit den Eiern in loser Erde/Holzspänen wälzt. Das könnte entweder ein UV-Schutz oder eine Tarnung für die Eier sein.

15) Eine hochspannende Art! Agenioideus ist eine in Nisthilfen nistende Wegwespe! Wie hier gut zu erkennen trägt sie Springspinnen als Nahrung für die Larven ein (hier wohl ein Marpissa muscosa Weibchen).

16) + 17) Mindestens so faszinierend wie Agenioideus: Eine in Nisthilfen nistende Grabwespe: Trypoxylon figulus. Das Portrait zeigt die gattungstypisch nierenförmig ausgerandeten Augen. Sie trägt Kugelspinnen ein und war eine der größten (=längsten, die dickste war vermutlich die Mauerbiene 1)) Besiedler.

18) Natürlich gibt es auch für den Spinnenjäger einen Parasiten: Die Goldwespe Trichrysis cyanea, nicht ganz so farbenfroh wie die verwandte Goldwespe Nr.6).


Ausführlichere Berichte und weitere Gäste (die z.B. „nur“ übernachtet haben, aber grundsätzlich auch in Nisthilfen nisten, z.B: die Wollbiene) findet Ihr auf meinem Blog unter der Kategorie „Insektenhotel“. Da gibt’s außerdem nochmal Tipps zum Material, Links und Literatur.
Nach wie vor kann ich so eine Insektennisthilfe nur jedem empfehlen! Es macht unglaublich viel Spaß, die Tiere zu beobachten und ist auch völlig ungefährlich (für Kinder z.B.). Und ich bin sehr gespannt, wie es sich nächstes Jahr entwickelt, ob ich einen Schlupf dokumentieren kann und ob neue Arten hinzukommen!


Danke an alle, die alles gelesen haben! Ich hoffe, Euch hat dieser Ausflug in den „Naturschutz vor der Haustüre“ gefallen und Ihr baut nun alle fleißig Nisthilfen ;)
Magdalena
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