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Nördlinger Ries
© Philip Klinger
Nördlinger Ries
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https://naturfotografen-forum.de/data/o/52/264623/thumb.jpghttps://naturfotografen-forum.de/data/o/52/264623/image.jpg
Hallo zusammen!
Der Grund für meine Inaktivität im Forum am Wochenende war, dass ich gestern und heute auf geologisch-geomorphologischer Exkursion im Nördlinger Ries war.
Das Nördlinger Ries ist ein 15 Mio. Jahre alter Meteoritenkrater mit einem Durchmesser von ca. 25km und trennt konventionell die Fränkische von der Schwäbischen Alb. Der Meteorit war schätzungsweise maximal 1km im Durchmesser und aus Stein, weswegen von ihm kaum Spuren übrig sind (bis auf ganz minimale Spuren von Metallen). Er schlug mit etwa 20km/s auf, was zu einer Energiefreisetzung in der Größenordnung von ungefähr 250.000 Hiroshima-Bomben führte. Er durchschlug den mehrere hundert Meter mächtigen Stapel von mesozoischen Sedimenten, sodass im Kraterinneren heute kristalline Gesteine an der Oberfläche liegen (die allerdings mehr oder weniger pulverisiert wurden), die man eigentlich erst viel weiter östlich im Fichtelgebirge und Bayerischen Wald findet. Das Zurückfedern der Gesteine nach dem Aufprall (der Prof verglich es immer sehr anschaulich mit dem Zurückschwappen von Wasser, wenn man einen Stein rein wirft) schleuderte riesige Mengen zum Großteil aufgeschmolzenen Materials in die Luft. Einige kleinere Teile wurden bis zu 200km weit verfrachtet, der Großteil der Glutwolke sank kurz darauf wieder zu Boden und formte das extrem seltene Gestein Suevit, das nur unter den hohen Temperatur- und Druckbedingungen (10 Mio. bar!) eines Meteoriteneinschlags entstehen kann. Die kraterrandlichen Kalkschollen, die nicht direkt getroffen und aufgeschmolzen wurden, wurden nach außen weg geschoben und umgewälzt und formen die so genannte Bunte Brekzie (bunt, weil alles was so an Gesteinen in der Region vorkommt bunt durcheinander gewirbelt ist), die von der Fazies, also den Gesteinseigenschaften her, einem glazialen Geschiebe ähnelt (angerundete Blöcke, alle Korngrößen, unsortiert). Daher wurde auch eine Zeit lang die Theorie verfolgt, das Ries sei irgendwie durch einen Gletscher entstanden, was natürlich Quatsch ist.
Eine klimatische Besonderheit des Ries konnte ich heut am eigenen Leib erfahren. Dadurch, dass es ca. 100-150m tiefer als die umgebende Albfläche liegt, sinken die Luftmassen im Ries ab, was üblicherweise zu Wolkenauflösung führt. Um das Ries herum war es heute fast den ganzen Tag sehr stark bewölkt, aber über dem Ries hielt sich beständig ein kreisrundes, wolkenfreies Loch mit blauem Himmel und Sonne. Man mags kaum glauben, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Im Vergleich zu seiner Umgebung hat das Ries eine etwa 1°C höhere Jahresmitteltemperatur und eine längere Sonnenscheindauer.
Heute ist das Ries mit mehreren Ortschaften dicht besiedelt und wird intensiv landwirtschaftlich genutzt. Daher habe ich etwas überlegt, ob ich das Foto einstellen soll. "Natur" ist darauf wohl keine mehr zu sehen. Zudem leidet es unter der Komprimierung und das Gras im Vordergrund ist auch nicht scharf, weil ein straffer Wind wehte. Dazu war die Tageszeit zum fotografieren auch nicht ideal. Aber da ich die Begleitumstände so enorm interessant finde, habe ich mich trotz der Gegenargumente dazu entschlossen und es halt mal unter "Dokumentarisches" eingestellt. Vielleicht interessieren ja jemanden meine Ausführungen :-)

Beste Grüße,
Philip

Autor: ©
Eingestellt:
Natur: Beeinflußte Natur ?
Fotografischer Anspruch: Dokumentarisch ?
Technische Angaben: zeigen
Dateigröße: 381.5 kB, 1804 x 520 Pixel.
Technik:
Pentax K10D mit FA43/1,9 limited
Panorama aus 3 Aufnahmen, freihand
Ansichten: 500 durch Gäste, 1524 im alten Zähler
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