Kleptoparasitismus
| Eingestellt: | 2026-07-24 |
|---|---|
| Aufgenommen: | 2026-07-21 |
| IK © | |
| An der Spitze ihres schnabelartig verlängerten Kopfes besitzt die Gemeine Skorpionsfliege (Panorpa communis) beißend-kauende Mundwerkzeuge. Obwohl der Kopf langgezogen wie ein Saugrüssel wirkt, handelt es sich anatomisch um eine Verlängerung der Kopfkapsel. Ganz vorne am Schnabelende sitzen die gewöhnlichen Werkzeuge des kaufähigen Insektenmundes. Das Weibchen hat, wie hier auf dem Bild zu sehen, ein kleines Legerohr am Hinterende hervorragen. Die Skorpionsfliege nutzt die Beißwerkzeuge vor allem für Aas (tote oder geschwächte Insekten) oder zum Abzwacken von Beute aus Spinnennetzen (Kleptoparasitismus). Sie trinkt aber auch gerne Nektar. Gerade die Doldenblütler haben sehr freiliegende Nektarien. Die Skorpionsfliege muss also keine langen Blütenröhren überwinden. Sie schabt oder leckt den leicht zugänglichen Nektar mit ihren Mundwerkzeugen ab. Dass Skorpionsfliegen im Netz einer Kreuzspinne landen, ohne selbst als Imbiss zu enden, ist eine kleine biologische Meisterleistung. Während andere Insekten hilflos verkleben, bewegen sie sich im Radnetz fast so sicher wie die Spinne selbst. Das verdanken sie einer Kombination aus anatomischen Anpassungen, cleverer Lauftechnik und chemischem Schutz. Die Cuticula (die äußere Körperschicht) an den Beinen der Skorpionsfliege ist mit einer speziellen Lipidschicht überzogen. Das verringert die Haftung des Spinnenleims drastisch. Ihre Tarsen (Fußglieder) verfügen über bewegliche Krallen. Damit greift sie nicht stumpf in die Leimtropfen, sondern hangelt sich oft an den Trockenfäden (den Radialspeichen des Netzes) entlang, die keine Klebstofftröpfchen tragen. Sollte doch einmal etwas Klebstoff an den Beinen haften bleiben, streift die Skorpionsfliege diesen extrem schnell ab oder zieht ihre Beine durch die Mundwerkzeuge, um den Leim mechanisch zu säubern, bevor er aushärtet. Die Skorpionsfliege verlässt sich keineswegs nur auf Passivität. Landet sie im Netz, vermeidet sie das typische panische Zappeln gefangener Fliegen. Da die Spinne Beute primär über Vibrationen wahrnimmt, löst die Skorpionsfliege oft gar keinen Angriffstrieb aus. Kommt die Spinne doch herbei, weiß sich die Skorpionsfliege zu verteidigen. Sie teilt mit ihren Mandibeln kräftige Bisse aus oder spritzt ein dunkles, unangenehm schmeckendes Speichelsekret ab. Viele Spinnen ziehen sich nach dem ersten Kontakt irritiert zurück und überlassen dem Piraten die Beute. Grüße Ingolf |
|
| Technik: | OM Digital Solutions OM-1MarkII, OM 90mm F3.5 + MC-20 1/1250s, F/7.1, ISO 1250, 180mm (etwa 361mm Kleinbild) M, Manueller Weißabgleich 0.79m Distanz |
| Bearbeitung | Gestempelt Tiefenschärfe verändert |
| Fotografischer Anspruch: | Fortgeschritten ? |
| Größe | 784.8 kB 1500 x 1120 Pixel. |
| Platzierungen: |
Beste Tophit-Platzierung: 17 Zu den Tophits
|
| Ansichten: | 43 durch Benutzer53 durch Gäste |
| Schlagwörter: | gemeine skorpionsfliege panorpa communis |
| Gebiet | Niedersachsen |
| Rubrik Wirbellose: | |
Re: Kleptoparasitismus
Da gebe ich - ohne zu zögern - sehr gern meinen Vierer!
VG
Pascale
Re: Kleptoparasitismus
danke für die äußerst spannende Beschreibung dieses Insekts. Ich habe es gleich 2x gelesen - ist ja unglaublich, wie sich die Fliege verhält und wie sie ausgestattet ist. Und dazu auch das bestens gelungene Foto.
Viele Grüße
Werner
Re: Kleptoparasitismus
ds ist ja mal wieder ein hervorragendes Bild eines Insekts, das ich noch nie fotografieren konnte, da sie hier selten sind. Der Text haut einen wieder mal um. Wie hochinteressant ist dieses Insekt, wie ausgeklügelt seine Überlebensstrategie. Sehr spannend erklärt wie gewohnt. Noch nie hatte ich gehört, dass ein Insekt aus einem Spinnennetz entkommen kann. Zudem ist diese Fliege ein sehr hübsches Motiv. Besser kann man es nicht präsentieren.
Liebe Grüsse,
Marion
Re: Kleptoparasitismus
ich habe mich in den letzten Tagen auch mit den Skorpionsfliegen beschäftigt,weil sie mir dauernd
um die Nase fliegen .
Da lese ich deine Infos mit großem Interesse,vieles davon wußte ich noch nicht.
Dein Bild besticht durch die tolle Qualität und Freistellung,
man sieht tolle Details,stark.
Deine Bilder sind jetzt wesentlich besser qualitätsmäßig geworden,und besonders gefällt MIR
die kleinere Bildgröße,bei der ich nicht scrollen muß lästigerweise.
Gruss
Otto
Re: Kleptoparasitismus
ein klasse Foto und wieder sehr ausführliche Infos drumherum!
Sind schon bizarre Wesen, vor allem die Kopfform ist sehr markant.
VG Michael
Re: Kleptoparasitismus
was für ein interessanter Text, wieder mal. Skorpionsfliegen sehen sehr faszinierend aus, wie ich finde, dass sie aber auch Insekten aus Spinnennetzen holen wusste ich nicht.
Die Bildqualität ist auch super, man sieht sehr viele Details. Und auch Freistellung und Perspektive überzeugen mich.
Viele Grüße
Wolfram
Re: Kleptoparasitismus
So sehen also Piraten im Insektenreich aus. Fehlt nur noch die Augenklappe, denn finster genug kommt »Klepto« mit seinem langen Fühlern und der lange »Nase« ehe schon daher.
Eine saubere Nahaufnahme und eine tolle Story dazu!
Gruß Steffi