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Grüße aus dem Karbon

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Eingestellt:
Aufgenommen: 2011-03-26
TS ©
Moin,

ich erlaube mir mal einen alten - nach forumsgeschichtlichen Zeitaltern gerechnet - Text zu recyclen und mit neuem Material versehen erneut einzustellen:

Lepidurus apus / 'Kleiner Kiemenfuß od. Rückenschaler' ist ein lebendes Fossil. Die Form hat sich seit dem Oberen Karbon (seit ca. 300 Mio. Jahren !) nicht verändert. Sie lebten also schon zu Zeiten der ersten Reptilien und sind älter als alle Säugetiere und Vögel, ja sogar als die Dinosaurier, als unsere Steinkohle- und Ölvorkommen ihren Ursprung hatten. Das kein besseres Foto entstanden ist, lag u.A. daran, dass sie natürlich unter Wasser leben und der Begriff 'wenigstens mal für eine 250stel Sek. stillhalten' seit 300 Mio. Jahren für sie offenbar keine Bedeutung hat (Das abbgebildete Ex. ist etwa 10-15 mm lang, inkl. Hinterleibsanhänge, durch die Wasseroberfläche fotografiert)

Auffälligstes Merkmal ist der Rückenschild, der (bis auf den Hinterleib) den ganzen Körper bedeckt. Die insgesamt 3 Augen schauen auf der Oberseite heraus. Diese kleinen Krebschen sind derart ursprünglich, dass sie auf der Unterseite an fast allen Segmenten Beine haben (um die 60-70 Paare). Der griechische Name 'apus', also 'der Fußlose', den Carl von Linné ihm gab ist damit nicht zu verstehen.

Die Überlebensstrategie über eine so lange Zeit ist vermutlich darin begründet, dass sie bei uns als Frühjahrsform,
nach der Schneeschmelze, temporäre Gewässer bevorzugt in den Flussauen (hier Elbe) besiedeln, sich bereits zwischen
Feb. und Apr. vermehren und danach das Austrocknen der Tümpel als Ei im Trockenschlamm überstehen. Das vermag kaum
ein Anderer und Fressfeinde (wie Fische) gibt es in diesen Gewässern nicht.

Hier der Lebensraum mal abgebildet - eine Qualmwasser'pfütze' an der Unteren Mittelelbe in Niedersachsen.

Bei uns ist Lepidurus apus nicht sehr häufig, bzw. wird vielfach übersehen. Man muss schon genau wissen wo und v.A. wann man nach ihnen suchen soll. Ein naher Verwandter ist der etwas größere 'Triops cancriformis' (sieht genau so aus, ist eben so alt, aber Sommerform), von dem berichtet wird, dass (der an der Natur sehr interessierte) Goethe einmal ein Ex. zu Gesicht bekam und derart gefesselt war, dass er dem Finder eines weiteren Ex. einen ganzen Taler (also viel Geld) geboten haben soll. Obwohl viele ausschwärmten, ein weiteres Ex. zu finden, musste er den Finderlohn nie bezahlen.

Häufiger Begleiter ist ein anderer Urzeitkrebs: Eubranchipus grubii.

Er ist mit Lepidurus apus oft vergesellschaftet und lebt ähnlich in den gleichen flachen, temporären Gewässern. Sie schwimmen eigentlich immer in Rückenlage, so wie dieses Weibchen, dass bereits Eipakete trägt. Die Art wird bis zu 28 mm lang, aber weniger auffällig.

Hätten sich diese Arten nicht an den extremen Lebensraum der nur sehr kurze Zeit wasserführenden Lachen angepasst - die Fische hätten diesen wehrlosen und bedächtig langsamen Schwimmern vermutlich schon längst "den Gar ausgemacht". Die Eier halten jahrelang aus, sie brauchen keine hohen Temperaturen und entwickeln sich rasant. Eine Anpassung, die sie über eine Viertelmillarde Jahre lang nahezu unverändert hat überleben lassen. Eben echte "Ureinwohner", wenn man so will. Für mich absolut ehrfürchterbietend!

Ich hoffe die kleine Doku gefällt und grüße
Thorsten

Fotografischer Anspruch: Dokumentarisch ?
Natur: Naturdokument ?
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