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Zu Tophs Textforum-Beitrag - 'ND? KD? EBV?'

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https://naturfotografen-forum.de/data/o/4/20577/thumb.jpghttps://naturfotografen-forum.de/data/o/4/20577/image.jpg
Eingestellt:
TS ©
Wie ordne ich dieses Bild richtigerweise in eine Kategorie 'ND' oder 'KD' ein?

Die Situation war folgende: Ich habe diese 'große Schwester' der bekannten und auch in Deutschland weit verbreiteten Wespenspinne auf einem Trockenrasen in Ungarn fotografiert. Die Art heisst Argiope lobata und ist einiges 'fetter' als unsere Wespenspinne, gehört aber zur selben Gattung.... Sie saß friedlich in ihrem Netz und wartete.... ich habe fotografiert, wie sie so im Netz sitzt.... Nun ist es auf Trockenrasen in Ungarn und Ende Juli allerdings so, dass man nur einen kleinen Schritt machen muss und schon 'stoben' diverse auch bunte und große Heuschrecken in alle Richtungen davon.... so geschehen landete eine Italienische Schönschrecke (Calliptamus italicus) von mir als Fotograf aufgescheucht im Netz der Spinne.... Es tat mir Leid, die Spinne hats gefreut Bild: Lächelndes/zwinkerndes Gesicht.... Die ganze Szene habe ich also beim fotografieren nicht nur beeinflusst, sondern letztlich ausgelöst, gewollt oder gar bewusst in diese Richtung beeinflusst habe ich nichts.... Ausgenutzt habe ich es aber schon....

Wie ordne ich es nun ein....

als ND: (?)
Ein Naturdokument - nicht arrangiert oder manipuliert - Immer wenn der Naturfotograf in keiner Weise in das Motiv eingegriffen hat

als KD: (?)
Wild und kontrolliert - Bei allen Aufnahmen von freilebenden Tieren und Pflanzen sowie Landschaften, wo der Fotograf eingreift, mit Futter oder Lockmitteln, Tiere zu fotogenen Plätzen dirigiert oder umsetzt, mit Rufen oder Geräuschen arbeitet, Zweige und Blätter entfernt oder zufügt usw.

Beides passt nicht... Ich lasse daher das Kürzel weg, für mich auch eher unwichtig! Vielleicht regt es aber weiter zur Diskussion an.

Für mich viel wichtiger zu erwähnen ist, was man hier eigentlich sieht: Die Spinne ist sofort auf die (unverhoffte) Beute losgeschossen, ... ein 'dicker' Fang, denn die Italienische Schönschrecke ist für eine europäische Heuschrecke schon eine 'volle Mahlzeit' und misst ca. 3-4 cm. Ähnlich groß ist daher die Spinne (ein Weibchen), die an 'Masse' vielleicht nur noch durch die Tarantel geschlagen wird. Die Männchen sind wie bei 'unserer' Wespenspinne Zwerge und müssen vor der Annäherung zwecks Paarung sehr aufpassen nicht als Beute angesehen zu werden. Der Moment des Auslösers hat hier das 'Einwickeln' der Beute erwischt. Gut zu sehen ist, dass dabei die Beute mit den vorderen 2-3 Beinpaaren festgehalten und gedreht wird, während das hinterste, relativ lange Beinpaar ein dichtes Netz aus den rötlichen Spinndrüsen am Hinterleib in Windeseile um das Opfer wickelt. Diese 'Einwickelfäden' sind sehr dünn und vielfädig, so eine Art 'Frischhaltefolie'. Die Unschärfe im Bild ist daher sowohl auf Bewegungsunschärfe der Spinne, als auch auf die 'Hektik' der Aufnahme zurückzuführen. Das normale Netz dieser Spinne besteht im Gegensatz zu den 'Einwickelfäden' aus sehr stabilen Einzelfäden mit Klebtröpfchen, die auch wehrhafte, größere Beute wie diese 'kapitale' Heuschrecke festhalten. Durch sämtliche 'mitteleuropäsischen' Spinnnetze könnte die Italienische Schönschrecke aufgrund ihrer Masse durchspringen. Somit kann die Spinne, je nach Bedarf, aus ihren Spinndrüsen den passenden 'Faden' spinnen..... Nach erfolgter 'Verpackung' der Mahlzeit biss die Spinne zu und injezierte ihr Gift. Sekunden später war keine Bewegung mehr in der Heuschrecke zu bemerken und die Spinne ins Zentrum ihres Netzes zurückgekehrt, auf neue Beute lauernd, sich bei passender Gelegenheit um die Mahlzeit zu kümmern.... Ich habe es übrigens geschafft mich von der Szene zu entfernen OHNE noch weitere 'Opfer' zu produzieren Bild: Lächelndes/zwinkerndes Gesicht

Argiope lobata (ich kenne keinen deutschen Namen) spinnt ihre Netze, im Verhältnis zu einer Senkrechten, in einer deutlich geneigten Ebene und sitzt stehts mit dem Bauch nach oben im Netz auf der Lauer (also Bauch zur Sonne, platt gesagt). Der Bauch und die gesamte Unterseite ist dabei sehr 'unruhig' gezeichnet, so dass sie (... Bild: Lächelndes/zwinkerndes Gesicht sorry, ich muss das jetzt bringen und denke mir das nicht aus....) mit dem unruhigen Hintergund verschwimmt und z.B. von Vögeln nicht so leicht entdeckt werden kann.... schließlich bildet sie selbst auch eine 'fette Beute'. Neben Heuschrecken zählen auch große Schmetterlinge wie der Schwalbenschwanz und sogar Gottesanbeterinnen zu ihren bevorzugten Beute. Die Natur ist an Einfallsreichtum natürlich nicht zu überbieten, so gibt es die Diebsspinne (Argyrodes gibbosus), einen Winzling, der keine eigene Netze spinnt, sondern bei dieser Art wohnt, in der Hoffnung unentdeckt zu bleiben und sich von kleinen Insekten ernährt, die sich im 'mächtigen Stahlnetz' der großen Spinne zufällig verfangen und für die 'Hausherrin' nicht mal eines Blickes wert sind.

Ich belasse es jetzt mal bei dem schon recht langen Text. Wenn erwünscht zeige ich auch nochmal die Spinne 'als Solche', wie sie auf der Lauer ist und im Detail aussieht, nicht ein solches 'Aktion-Foto'...

Wer sich bis hierher 'durchgelesen' hat, dem Danke ich.... ich hoffe es war informativ.

Gruß, Thorsten

PS: Bildbearbeitung in diesem Fall: Schnitt und leichte Korrekturen von Tonwert und Kontrast - Nicht entrauscht, da es mir auch oder v.a. auf die feinen Fäden ankam.... und geschärft natürlich.

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