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Leitfaden zur elektronischen Bildverarbeitung (EBV)


von Christoph Keller





Teil IV


Kapitel 9: Tonwert- und Farbkorrekturen




In diesem Arbeitsschritt geht es darum, Farben und Kontraste eines Bilds zu optimieren. Dabei sollte man auf folgende Punkte achten:


  1. Die ursprüngliche Lichtstimmung sollte erhalten werden.
  2. Lichter nicht ins konturlose Weiß (Überstrahlung, 'ausgefressene', 'ausgebrannte' Bereiche, RGB 255), Tiefen nicht ins konturlose Schwarz ('zugelaufene', 'abgesoffene' Bereiche, RGB 0) treiben.
  3. Im Gegenteil: man sollte in den Tiefen und Lichtern so viel Struktur wie möglich sichtbar machen.
  4. Eventuelle Farbfehler/Farbstiche korrigieren.

Die für diese Aufgaben geeigneten Funktionen befinden sich im Menü


BildAnpassungen


Eigentlich kommt man mit drei der hier aufgeführten Programme aus:


Tonwertkorrektur


Gradationskurven


Tiefen/Lichter


Will man gleich auf einer Ebene arbeiten, findet man die Tonwerte und Kurven auch im Menü


EbeneNeue Einstellungsebene



Die Tonwertkorrektur und ihre Funktionen


Klickt man sie an, öffnet sich ein Fenster mit Histogramm und 3 Schiebern darunter: links für die Tiefen in RGB-Position 0, rechts für die Lichter in RGB-Position 255. Der mittlere Schieber ist für die sogenannte Gamma-Korrektur, die unten gleich beschrieben wird.


Hat das Histogramm links und rechts große Freiräume, also keine ausgesprochen dunklen bis schwarzen und hellen bis weißen Bereiche, könnte das auf zu flaue Kontraste und Farben hindeuten (siehe Histogramm und Info). In diesem Fall bringt eine



Tonwertspreizung


eine Verbesserung. Wir spreizen die Tonwerte, in dem wir mit den Schiebern das Gegenteil tun: sie Richtung Mitte zusammenschieben. Dabei geschieht folgendes: angenommen, wir schieben den linken Schieber bis 10 nach rechts: dann wird der bisherige RGB-Wert 10 zum neuen 0 - Punkt (Schwarzpunkt), die bisherigen Werte 0 - 10 werden gekappt (Clipping), das Bild wird dunkler. Schieben wir den rechten Schieber bis 240 nach links, wird der bisherige RGB-Wert 240 zum neuen Weißpunkt 255, alle bisherigen Werte zwischen 240 und 255 werden gekappt und das Bild wird heller. Wenn das Histogramm in diesen Bereichen keine Pixel-Vorkommen anzeigt, wird nichts gekappt, sondern die 255 RGB-Stufen werden an den Tonwertumfang des Bilds angepasst, bzw. dieser Tonwertumfang wird so gespreizt, dass er die 255 Stufen besser oder voll ausnutzt, was als Kontrasterhöhung sichtbar wird. Im neuen Histogramm sieht man dann den breiter gewordenen Berg.


Aber Achtung: nicht jedem Bild tut ein großer Tonwertumfang gut: Bilder mit wenigen gedeckten Farben, zarte weiche Lichtstimmungen, neblige Kontraste usw. gehen bei einer zu harten Tonwertspreizung kaputt. Daher immer nach Augenmaß korrigieren ('Vorschau' rechts unten muss selbstverständlich aktiviert sein), nicht nach Vorstellungen, wie das Histogramm auszusehen hat.


Das Histogramm kann aber helfen, die oben ausgesprochene Warnung vor Überstrahlung und zugelaufenem Schwarz zu befolgen, denn man sollte es vermeiden, die Schieber weiter als bis zum Ansatz des 'Bergs' in die Mitte zu schieben, andernfalls werden Farbstufen gekappt. Gekappte Bereiche werden auch angezeigt, wenn man bei gedrückter Alt-Taste den Tiefen- oder Höhenschieber anklickt und die Maustaste gedrückt hält: dann verwandelt sich das Bild zu einem High-Contrast-Bild, das nur die jeweils hellsten und dunkelsten Stellen anzeigt (der Schwellenwert-Modus).


Mit dem mittleren Schieber können wir die Helligkeit der Mittentöne eines Bilds verändern, ohne den Gesamt-Tonwertumfang zu verändern, das heißt ohne die Tiefen und Lichter gravierend zu beeinflussen. Diese Helligkeits-Korrektur wird also nicht linear auf alle Bereiche gleich angewendet (wie natürlich auch die Korrektur per Tiefen- und Höhenschieber nicht linear, sondern betont im jeweiligen Bereich angewendet wird), sondern in Form einer Potenzial-Gleichung mit dem Potenz-Faktor Gamma, daher der Name



Gamma-Korrektur


Verschieben wir den Mittenschieber nach links, verschieben wir damit die Mitte des Tonwertumfangs in einen dunkleren Bereich, der damit auf die Helligkeit der Mitte angehoben wird: das Bild wird heller und kontrastärmer, flauer. Eine solche Korrektur kann einem dunklen Bild mit harten Kontrasten guttun. Verschieben wir den Mittenschieber nach rechts in einen helleren Bereich, wird dieser auf die Helligkeit der Mitte abgesenkt, das Bild wird dunkler, kräftiger, die Farben kommen gesättigter. Diese Korrektur ist sehr oft bei zu hellen und etwas flauen Bildern heilsam.


Unter den Schiebern zur Tonwertspreizung finden wir zwei weitere Schieber, die das genaue Gegenteil tun, nämlich den



Tonwertumfang verkleinern


Schieben wir hier den linken Schieber bis 10 nach rechts, bewirkt das, dass der bisherige Schwarzpunkt 0 auf die Helligkeit der Stufe 10 angehoben wird. Es gibt dann keinen dunkleren Wert als 10 mehr im Bild. Schieben wir den rechten Schieber bis 240 nach links, wird der bisherige Weißpunkt 255 auf den Wert von 240 abgedunkelt, es gibt dann keinen helleren Wert als 240 mehr im Bild. Der dazwischenliegende Tonwertumfang wird entsprechend zusammengestaucht, was als Kontrastverringerung sichtbar wird. Bildern mit überhöhtem Kontrast und angeschnittenen Tiefen und Lichtern kann eine solche Korrektur guttun.


Im Tonwertkorrektur-Fenster oben kann man wählen, ob man die jeweiligen Korrekturen im RGB-Modus, also auf alle Farbkanäle einheitlich, oder individuell angepasst in den einzelnen Farbkanälen ausführen will. Im RGB-Modus bleiben die Relationen zwischen den Farben erhalten, während Korrekturen in einzelnen Kanälen zu Farbverschiebungen führen.


Hat man die richtigen Schieberpositionen für ein Bild gefunden (wer sich mit den Werten auskennt, kann diese auch direkt eingeben, bzw. markieren und mit dem Scrollrädchen der Maus verändern), klickt man rechts oben auf → OK, um die Korrektur auszuführen. Will man dieselbe Korrektur auf mehrere Bilder anwenden, kann man die betreffenden Settings unter → Speichern abspeichern und dann unter → Laden wieder aufrufen.



Auto-Korrekturen


Hinter dem letzten Button rechts → Optionen verbergen sich drei Möglichkeiten, die Kontraste und Farben eines Bilds automatisch anzupassen. Bei Default-Einstellung ist die zweite ausgewählt:


Kontrast kanalweise verbessern


Damit wird eine individuell an jeden Farbkanal angepasste Tonwertspreizung durchgeführt, was nicht nur Auswirkungen auf den Kontrast, sondern auch auf die Farben hat. Dieser Algorithmus wird unter


BildAnpassungenAuto-Tonwertkorrektur


angewendet.


Mit der ersten Möglichkeit


Schwarzweiß-Kontrast verbessern


wird eine automatische Tonwertspreizung im RGB-Modus, also mit gleichen Werten in allen Kanälen durchgeführt. Dieser Algorithmus wird unter


BildAnpassungenAuto-Kontrast


angewendet.


Mit der dritten Möglichkeit


Dunkle und helle Farben suchen


werden die dunkelsten und hellsten Pixel im Bild ermittelt und eine daran orientierte Tonwertspreizung per Farbkanal durchgeführt. Setzt man in dem Kästchen → Neutrale Mitteltöne ausrichten ein Häkchen, wird ein möglichst neutraler, also grauer Mittelton im Bild gesucht und genau neutral, also mit gleichen Werten in allen Kanälen, ausgerichtet, um einem eventuellen Farbstich entgegenzuwirken. Dieser Algorithmus wird unter


BildAnpassungenAuto-Farbe


angewendet.


Die Option → Neutrale Mitteltöne ausrichten steht auch den anderen beiden Auto-Funktionen zur Verfügung, zusammen mit weiteren Optionen im Feld darunter: → Zielfarben und Beschneiden. Die Zielfarbe für die Tiefen sollte 0/0/0, für die Mitten 128/128/128 und für die Lichter 255/255/255 sein, per Doppelklick auf das entsprechende Kästchen kann man diese Farben ändern, was aber selten empfehlenswert sein dürfte. Rechts kann man wählen, um wie viel die Tiefen und Höhen beschnitten werden sollen. Defaulteinstellung ist jeweils 0,10 %, das heißt, die ersten 0,1% im jeweiligen Bereich werden bei der Festlegung des Schwarz- und Weißpunkts ignoriert und beschnitten. Hier liegt der Grund für die oft völlig überzogenen Ergebnisse der Auto-Korrekturen, denn, wie wir oben 'gelernt' haben, sollte man Beschneidungen ja gerade vermeiden. Daher würde ich eine Zurücksetzung auf 0 empfehlen und nur gegebenenfalls, das heisst bei zu schwacher Wirkung erhöhen. Links unten kann man die gewählten Settings → Als Standard speichern. Sie werden dann auch von allen Auto-Funktionen unter → Bild → Anpassungen übernommen (wobei allerdings bei Auto-Kontrast und Auto-Farbe der Auto-Algorithmus wie oben beschrieben festgelegt ist), sowie auch von den identischen Auto-Funktionen der Gradationskurven. Mit dem → Auto - Button werden die aktuellen Einstellungen der → Optionen angewendet.



Abb. 25: Beispiel Auto-Tonwertkorrektur: man sieht, wie daneben diese Korrektur liegen kann, vor allem, wenn die Beschneidung bei 0.10 steht...



Abb. 26: Beispiel Auto-Farbe: Nicht ganz so weit daneben wie die Auto-Tonwertkorrektur, aber auch hier wird die ursprüngliche Farbstimmung zu stark verändert.



Abb. 27: Beispiel Auto-Kontrast: Für dieses Bild mit Sicherheit die vernünftigste, da zarteste Korrektur. Vielleicht fast schon zu zart, wers gerne kräftiger hätte, könnte manuell eine leichte zusätzliche Verstärkung der Tiefen ergänzen.



Methoden zur Festlegung des Schwarz- und des Weißpunkts


Mit einem Klick auf die schwarze Pipette und einem anschließenden Klick auf das Bild wird an diese Stelle der neue Schwarzpunkt gesetzt. Erwischt man dabei nicht die dunkelste Stelle im Bild, werden alle dunkleren Bereiche beschnitten und 'saufen ab'. Analog dazu kann man mit der weißen Pipette einen neuen Weißpunkt im Bild festlegen. Da bei dieser Methode aber fast zwangsläufig Beschneidungen erfolgen, würde ich sie nicht empfehlen.


Eine genauere Ermittlung der dunkelsten und hellsten Pixel im Bild gelingt mit Hilfe der Schwellenwert-Funktion: im Menü


BildAnpassungenSchwellenwert


oder


EbeneNeue EinstellungsebeneSchwellenwert


zu finden. Ein Histogramm mit einem Schieber darunter erscheint. Diesen Schieber schieben wir nun nach links, bis nur noch wenige schwarze Pixel angezeigt werden. Auf einen solchen Bereich klicken wir bei gedrückter Shift-Taste und markieren damit den Schwarzpunkt. Dann gehen wir mit dem Schieber nach rechts, bis nur noch wenige weiße Pixel angezeigt werden. Auf einen solchen Bereich klicken wir bei gedrückter Shift-Taste und markieren damit den Weißpunkt. Anschließend nicht 'OK' klicken, sondern einfach → Abbrechen oder das Fenster schließen. Zurück bleiben die beiden gewählten Punkte, die wir nun in der erneut aufgerufenen Tonwertkorrektur mit den Pipetten anklicken können: Punkt 1 mit der schwarzen, Punkt 2 mit der weißen Pipette. Auch diese Methode würde ich aus den oben genannten Gründen nicht empfehlen, beide Methoden seien hier nur aufgeführt, um die Funktion der Pipetten zu verstehen: man tut mit ihnen manuell, was die Auto-Korrekturen automatisch tun.



Drei Methoden zur Behebung von Farbstichen


1. Die simpelste zuerst - per Gamma-Korrektur: Die graue Pipette anklicken und damit auf einen Bereich im Bild klicken, der neutral grau sein sollte, was er mit diesem Klick dann auch wird, wobei sich alle anderen Farben im Bild in Relation dazu verändern. Mit einem vorherigen Doppelklick auf die graue Pipette kann man ihr beliebige Farben zuordnen, für die Farbstichbehandlung sollten es aber Grautöne sein, das heißt drei gleiche Werte für R, G und B, wobei es keine Rolle spielt, welcher Wert eingegeben wird, er muss nur in allen Kanälen gleich sein.


2. Per Tiefen-Regler: Hierfür öffnen wir zunächst das Info-Fenster, das wir rechts angedockt haben (siehe Histogramm und Info). Nach Rechtsklick auf die beiden kleinen Pfeile rechts oben deaktivieren wir → Symbolpaletten automatisch verkleinern, damit das Fenster offen bleibt (oder wir ziehen es einfach ganz heraus). Wer es nicht rechts angedockt hat, öffnet es im Fenster-Menü oben. Nun suchen wir einen Bereich im Bild, der neutral dunkelgrau bis schwarz sein sollte, setzen dort einen Markierungspunkt per Klick bei gedrückter Shift-Taste und lesen seine RGB-Werte im Info-Fenster ab. Den mittleren der drei Werte tragen wir nun nach Doppelklick auf die schwarze Pipette im Fenster → Zieltiefenfarbe auswählen in die drei RGB-Kanäle ein und klicken 'OK'. Anschließend klicken wir wieder auf den markierten Punkt.


3. Per Höhen-Regler: Wir gehen in gleicher Weise vor wie in Punkt 2 beschrieben, nur wählen wir einen Bereich im Bild, der neutral hellgrau bis weiß sein sollte, und tragen nach Doppelklick auf die weiße Pipette im Fenster → Ziellichterfarbe auswählen den gefundenen Mittelwert in die drei RGB-Kanäle ein.


Je nach Bild und Bedarf kann man diese drei Korrekturen alle gleichzeitig oder jeweils nur eine oder zwei vornehmen, aber Achtung: es funktioniert nur, wenn im Bild tatsächlich neutralgraue Bereiche vorkommen, und wenn diese Bereiche auch tatsächlich neutralgrau aussehen sollen. Besondere Lichtstimmungen mit natürlich gegebenen tendenziellen Farben - eine Szene im rotgoldenen Licht der untergehenden Sonne etwa - können bei diesem Verfahren verlorengehen.




Die Gradationskurven


Mit Ausnahme des Gamma-Reglers haben und können die Gradationskurven alles, was oben für die Tonwertkorrektur beschrieben wurde, und noch ein bisschen mehr.


Die rechte obere Ecke des Kurven-Diagramms entspricht dem 255-Weißpunkt, die linke untere Ecke entspricht dem 0-Schwarzpunkt. Klickt man die Kurve, die zunächst einmal eine Gerade ist, im Weißpunkt an und zieht sie mit gedrückter linker Maustaste an der oberen Diagrammseite nach links, entspricht das der Tonwertspreizung, zieht man sie an der rechten Seite nach unten, der Verringerung des Tonwertumfangs mit den Höhenschiebern der Tonwertkorrektur. Zieht man sie am Schwarzpunkt unten nach rechts, entspricht das der Tonwertspreizung, zieht man sie an der linken Seite nach oben, entspricht das der Verringerung des Tonwertumfangs mit den Tiefenschiebern der Tonwertkorrektur. Wie die Schieber kann man auch die Kurve bewegen, indem man sie an der gewünschten Stelle anklickt und dann den angezeigten Wert entweder im Eingabe - oder im Ausgabe-Kästchen markiert und mit dem Scrollrädchen der Maus verändert. Klickt man die Kurve in der Mitte, also bei 128/128 an und bewegt sie dort, entspricht das nicht dem Mittelschieber der Tonwerte, man bekommt aber ähnliche Ergebnisse, wenn man sie per → Eingabe auf der horizontalen Achse bewegt.


Die Kanal-Optionen, die Auto-Funktionen und die Pipetten sind identisch zur Tonwertkorrektur, Settings speichern und laden tut man oben über den kleinen Button neben 'OK'. Dort kann man auch unter → Vorgaben verschiedene 'Fertig-Settings' wählen. Unten neben den Pipetten gibt es zusätzlich die nützliche Option → Beschneidung anzeigen, also eine Clip-Warnung.


Die Überlegenheit der Gradationskurven gegenüber der Tonwertkorrektur besteht darin, dass man sie an jedem beliebigen Punkt packen und verändern, das heißt jede der 255 Helligkeitsstufen gezielt beeinflussen kann. Mit einem Klick und gehaltener Maustaste auf eine bestimmte Stelle im Bild wird im Kurvendiagramm angezeigt, wo sich dieser Punkt auf der Kurve befindet und damit in welchem Helligkeitsbereich er liegt, und kann dort beeinflusst werden. In Bereichen, die unverändert bleiben sollen, kann man die Kurve per Klick fixieren. Damit ergeben sich wesentlich differenziertere Korrektur-Möglichkeiten als mit der Tonwertkorrektur und ihren fünf Schiebern.


Zum Einstieg würde ich folgende Kurvenkorrektur empfehlen:


  1. Die Kurve in der Mitte durch Klick bei 128/128 fixieren.
  2. Die untere Hälfte in der Mitte bei 64/64 anklicken, die 64 im Ausgabe-Kästchen markieren und mit dem Mausrädchen bis ~58 senken. Dabei das Bild beobachten.
  3. Die obere Kurvenhälfte in der Mitte bei 191/191 anklicken, die 191 im Ausgabe-Kästchen markieren und bis ~ 196 erhöhen. Dabei das Bild beobachten.

Eine in dieser Weise geschwungene Kurve bringt eine Erhöhung von Kontrast und Farbsättigung, die eine andere Qualität hat als die über die Tonwertspreizung. Aber Vorsicht: schon kleinste Änderungen der Kurvenschwingung können dramatische Auswirkungen haben. Daher rate ich sehr zu der Methode mit dem Scrollrädchen.


Eine weitere oft anwendbare Kurvenkorrektur ist die Aufhellung durch Anhebung der Mitte: bei 128/128 anklicken und mit dem Ausgabe-Wert schrittweise nach oben gehen. Dabei wird das Bild aufgehellt, ohne dass Lichter in die Überstrahlung getrieben werden, und die Kontraste bleiben frisch und werden nicht so weich wie bei der Aufhellung mit dem Gamma-Schieber der Tonwertkorrektur. Geht man zusätzlich noch mit dem Schwarzpunkt unten per Eingabe nach rechts, ergibt dies oft eine angenehme, nicht zu harte Kontrasterhöhung.


In den meisten Fällen ist auch gar nicht mehr nötig als Korrekturen dieser Art. Eine nach eigenem Geschmack leicht geschwungene Kurve kann man sich auch als Aktion speichern (siehe Aktionen), am besten mit Ebene:


EbeneNeue EinstellungsebeneGradationskurven


und hat sie dann als dosierbaren Standard bereit.



Abb. 28: Die beiden oben beschriebenen Kurven-Korrekturen auf dieses Bild angewendet ergeben sehr schöne, etwas kräftigere Ergebnisse als der Auto-Kontrast. Im mittleren Bild wurde die leicht geschwungene Kurve, im rechten Bild die in der Mitte angehobene und unten leicht nach rechts geschobene Kurve angewendet.



Die anderen Programme im Bild-Menü unter → Anpassungen wie → Farbbalance, → Helligkeit/Kontrast, → Farbton/Sättigung usw. sind im Grunde einfach zu bedienende und selbsterklärende Teilbereiche der Tonwert- bzw. Kurven-Korrektur. Mit der Sättigung würde ich sparsam umgehen, nicht bei allen Bildern zum Schluss noch als 'Sahnehäubchen' drüber kippen, sondern nur bei denen, die durch ungünstige Lichtverhältnisse an Farbmangel leiden. Ansonsten ist sie meist überflüssig und kann leicht zu unnatürlichen Farben und, vor allem bei Jpegs, auch zu Einbußen bei der Bildqualität führen (Rauschen, Farbabrisse). Als Richtwert würde ich +10 veranschlagen, ab +20 wird's meist zu viel.

Eine hübsche Option ist → Gleiche Farbe, mit der man die Farben eines zweiten Bilds mit ähnlichen Farben auf das Zielbild übertragen kann, wenn man es unten im Dialogfenster als Quelle angibt. So kann man z.B. zwei Bearbeitungen desselben Bilds oder einer Serie mit demselben Motiv farblich aneinander anpassen. Aber auch ohne zweites Bild bietet das Programm nützliche Korrekturhilfen: so kann man mit dem → Luminanz - Schieber den Farben mehr Leuchtkraft verleihen, ohne die Lichter zu hart anziehen zu müssen. Und hinter dem Kästchen → Ausgleichen verbirgt sich eine weitere Möglichkeit der Entfernung von Farbstichen.


Ausführlicher möchte ich nur noch auf eines dieser Programme eingehen:



Tiefen/Lichter


Mit dem dortigen Tiefen-Regler hat man die Möglichkeit, gezielt sehr dunkle Bereiche aufzuhellen und dort eventuell verborgene Details sichtbar zu machen, ohne die Mitteltöne und noch weniger die Lichter dramatisch zu beeinflussen. Mit dem Lichter-Regler kann man sehr helle Bereiche abdunkeln und dort eventuell verborgene Details sichtbar machen, ohne die Mitten und noch weniger die Tiefen in Mitleidenschaft zu ziehen.


Klicken wir einmal auf → weitere Optionen einblenden unten im Dialogfenster und schauen uns die Optionen an:


→ Stärke ist wohl selbsterklärend, sie steht bei Default für die Tiefen unglücklicher Weise auf 50%, was wir schnell auf 0 korrigieren und unten mit Klick → Als Standard speichern. Als Richtwert würde ich 10% veranschlagen, was darüber liegt, ist viel, oft genügen schon 1 - 5%.


Mit der → Tonbreite stellen wir den Bereich ein, auf den eingewirkt werden soll: je kleiner der Wert, desto mehr beschränkt sich die Tiefen-Aufhellung auf sehr dunkle, die Lichter-Abdunkelung auf sehr helle Bereiche. Bei Default steht sie auf 50%, was ein sehr guter Standardwert ist.


Mit dem → Radius wählen wir den Bereich, der zur Beurteilung herangezogen wird, ob ein Pixel in den Tiefen bzw. Lichtern liegt oder nicht. Bei zu kleinem Radius werden die Kontraste 'matschig', bei zu großem Radius entstehen an Hell-Dunkel-Konturen Halos: helle bzw. dunkle Schatten. Auch hier ist die Defaulteinstellung von 30px ein sehr guter Standardwert.


Da vor allem aufgehellte Bereiche oft an Farbsättigung verlieren, gibt es mit der → Farbkorrektur die Möglichkeit, dem entgegenzuwirken. Sie steht bei Default auf + 20.


Mit dem → Mittelton-Kontrast lässt sich nach Bedarf der Kontrast anpassen, wenn er durch die Tiefen/Lichter-Behandlung gelitten hat. Er steht bei Default auf 0.


Und hinter den 0.01 Clips ganz unten verbirgt sich eine eingebaute Kontrast-Korrektur, die oft sehr gute, bei zarteren Bildern meist bessere Ergebnisse bringt als der Auto-Kontrast, vor allem, wenn der noch 0.10 Clips eingestellt hat. Bei Bildern mit großem Defizit an dunklen und hellen Tönen führt das dazu, dass bei der Tiefen/Lichter-Korrektur beim Schritt von 0 auf 1% eine dramatische Änderung stattfindet, weil das Programm dann zuerst die Kontrastanpassung vornimmt (Anschauungsbeispiel siehe Abb. 17).


Bis auf die Stärke empfehle ich, die Defaulteinstellungen beizubehalten, aber nach Bedarf zu experimentieren.


Die folgende Grafik soll einige Aspekte der Tiefen/Lichter-Funktion veranschaulichen:



Abb. 29: Bei den unbehandelten Grautönen der ersten Zeile kann man sehen, dass auch unsere Augen mit einer Tiefen/Lichter-Funktion ausgestattet sind und Schatten erzeugen, wo objektiv keine sind: so erscheinen die drei mittleren Grautöne als Hell-Dunkel-Verlauf von links nach rechts, wo objektiv keiner ist: eine optische Täuschung.

In den folgenden Zeilen sehen wir drei Tiefen und drei Lichter-Korrekturen. Die drei angegebenen Werte beziehen sich auf Stärke/Tonbreite/Radius. Man kann erkennen, dass die Tiefen-Korrektur wesentlich stärker auf das dunkle Grau links einwirkt als auf das helle rechts, während die Lichter-Korrektur das Gegenteil bewirkt.

Bei Tonbreite 100 gerät das mittlere Grau deutlich mehr in den Einflussbereich beider Korrekturen. Bei Radius 30 entsteht ein nun objektiv messbarer Hell-Dunkel-Verlauf, der bei Radius 0 verschwindet (bei Bildern aber mit dem Effekt der 'matschigen' Kontraste 'bezahlt' werden muss).

Das reine Schwarz links und das reine Weiß rechts bleibt unberührt: was wirklich 'über dem Jordan' liegt, ist auch mit 'Tiefen/Lichter' nicht zu retten.



Anwendung der Tiefen/Lichter-Funktion


Zunächst wende ich gerne die eingebaute Kontrastkorrektur an, indem ich mit den Tiefen auf 1% gehe.


Bei Bildern mit harten Kontrasten und einem Tonumfang von 0 bis 255 tut eine Pauschalkorrektur oft gut, sollte aber möglichst unter 5% Stärke liegen.


Der Großteil der Anwendung aber geht gezielt per Auswahl (siehe Kapitel 7: Auswahlen erstellen) auf zugelaufene und ausgebrannte Bereiche, Schatten und Bestrahlungen, schwarze und weiße Tiere usw. Und da kann es dann auch mal vorkommen, dass man bei der Aufhellung einer schwarzen Haube oder eines Auges mit der Stärke sehr hoch gehen muss. Wichtig ist dabei immer, dass man um die unerwünschten Effekte weiß und sie verhindert.



Abb. 30: Beispiel für eine extreme Tiefen/Lichter-Korrektur: Links oben das Original: die hübsche Schamadrossel kam zwar sehr nahe, aber im Wald gibt's eben kein Licht... Oben rechts hab ich die Tiefen bis 50% hochgezogen, alle anderen Settings stehen bei Default. Zwar ist jetzt mehr von dem Vogel zu sehen, aber er hat die typische Tiefen/Lichter-Aura bekommen. Links unten hab ich den Radius auf 0 gezogen und damit die Halos verschwinden lassen, damit allerdings auch eine Abflauung der Kontraste bewirkt. Rechts unten hab ich die Tonbreite auf 40 reduziert und den Mittelton-Kontrast auf 20 erhöht, um wieder mehr Farbe in den blassen HG zu bekommen. Ich meine, ein ansprechendes Ergebnis, auf dem sich aufbauen lässt, und das hier mit einem einzigen Korrekturschritt erzielt wurde.



Tonwertkorrektur per Ebenen-Füllmethode


Dies kann ein schneller und bequemer Weg sein, zum gewünschten Ergebnis zu kommen: Im Menü


EbeneNeuEbene durch Kopie


oder


EbeneEbene duplizieren


eine Ebene anlegen und in der


Ebenen


-Palette das Menü links oben entfalten, wo als Standard → Normal eingestellt ist. Mit der Option → Multiplizieren wird das Bild drastisch abgedunkelt, mit → Negativ multiplizieren drastisch aufgehellt. Die Option → Ineinanderkopieren bringt eine deftige Kontrast-Anhebung. Diese meist viel zu heftigen Effekte kann man aber durch Verminderung der Ebenen-Deckkraft anschließend auf ein gefälliges Maß reduzieren (siehe auch Ebenen-Technik/Feindosierung).



Beispiel einer einfachen Tonwertkorrektur


Nach so viel Text könnte nun der Eindruck entstehen, der Schritt der Tonwertkorrektur sei enorm zeitaufwändig und kompliziert. In der Praxis ist meist das Gegenteil der Fall, und nach der mühsamen Erstellung der Auswahlen freu ich mich immer darauf, ein Bild dann mit ein paar Klicks zum 'Blühen' zu bringen. Bei Jpeg-Originalen kann man oft auch gänzlich auf Korrekturen verzichten.


Daher nehmen wir besser ein Raw als Beispiel. Und da wir dieses ja sehr weich im Raw-Konverter entwickelt haben (siehe Kapitel 3: Die Entwicklung im Raw-Konverter), besteht der erste Schritt in einer Auto-Kontrast-Korrektur auf einer Ebene, den wir als Aktion aufrufen (siehe Aktionen), weil wir ihn dort als solche abgespeichert haben. Per Ebenen-Deckkraft dosieren wir die Korrektur zu einem bekömmlichen Maß, und schützen mit dem Radiergummi die Stellen, die sonst zulaufen oder ausbrennen würden (siehe auch Ebenen-Technik/Ausschluss von Bildbereichen).


Tip: Vergessen wir das einmal und bemerken später bei der Bearbeitung, dass uns doch etwas ausgebrannt ist, greifen wir zum


Protokollpinsel


(oder zum Radiergummi mit aktivierter Option → Basierend auf Protokoll löschen). Dann öffnen wir das Protokoll und klicken links auf das Kästchen des Stadiums, das einen Schritt vor der Aktion liegt, die die Überstrahlung verursacht hat. Nun können wir die betreffende Stelle im Bild auf dieses Stadium 'zurückradieren'. Auch andere Patzer lassen sich so oft noch reparieren.


Bringt der Auto-Kontrast kein befriedigendes Ergebnis, probieren wirs mit der Kurve und rufen unsere bei den Aktionen gespeicherte sanft geschwungene Standard-Kurve auf einer Ebene als Aktion auf. Oder die Autokorrektur der Tiefen/Lichter. Welche Korrektur tut dem Bild gut? Oder alle zusammen? Oder keine, und besser per Hand einstellen? Sollte man die Mitten mit der Kurve noch etwas nach oben ziehen? Oder per Gamma-Regler etwas abdunkeln und kräftigen? Könnte man per Auswahl und Tiefen/Lichter hier und dort noch etwas Struktur in Schatten und Lichtern heraus kitzeln? Sind alle Fragen befriedigend gelöst, können wir zur abschließenden Schärfung übergehen.




Kapitelanfang

Inhaltsverzeichnis






Kapitel 10: Die Nachschärfung




Kaum ein Bild ist so scharf, dass es nicht noch schärfer sein könnte. Das gilt vor allem für Raws, die von Kamera-internen Schärfungen von vornherein ausgeschlossen sind (zum Glück!), und die wir aus gutem Grund auch ungeschärft im Raw-Konverter entwickeln (siehe Kapitel 3: Die Entwicklung im Raw-Konverter). Wenn nun aber alle Arbeiten am Bild abgeschlossen und keine weiteren Eingriffe auf die Pixel mehr nötig sind, die diese in 'Unordnung' bringen könnten, ist der Zeitpunkt der Nachschärfung gekommen. Im Menü


FilterScharfzeichnungsfilter


befinden sich für diese Aufgabe fünf Filter. Drei davon haben feste Einstellungen ohne Anpassungsmöglichkeit (es sei denn über eine Ebene):


Scharfzeichnen


Stärker scharfzeichnen


und


Konturen scharfzeichnen


Ihre Namen sind wohl selbsterklärend, also einfach mal ausprobieren und sich den jeweiligen Effekt anschauen.


Genauer befassen wollen wir uns hier mit den beiden Programmen, die Anpassungs-Optionen enthalten: der als Standard geltende Filter


Unscharf maskieren


und der von mir empfohlene


Selektive Scharfzeichner


der ebenfalls das Verfahren Unscharf maskieren anwendet, aber mit weiterführenden Optionen ausgestattet ist.



Wie arbeitet ein Scharfzeichnungsfilter?


Er erhöht den Kontrast zwischen benachbarten Pixeln unterschiedlicher Tonwerte. Der Grad der Kontrastanhebung wird mit der → Stärke eingestellt. Mit dem → Radius wird festgelegt, in welchem Umkreis Pixel für die Kontrasterhöhung miteinander verglichen werden. Im → Unscharf maskieren - Filter gibt es als dritte Einstell-Option den → Schwellenwert: dort wird festgelegt, wie groß der Tonwert-Unterschied zwischen Pixeln sein muss, um als unterschiedlich und damit zur Kontrasterhöhung geeignet eingestuft zu werden. Der Schwellenwert ist in die 255 Helligkeitsstufen des RGB Farbsystems aufgeteilt. Bei 0 wird jedes Pixel in die Kontrasterhöhung eingeschlossen, daher ist 0 als Default-Einstellung zu empfehlen. Ab 1 aufwärts wird der Kontrast nur zwischen den Pixeln erhöht, deren Helligkeit mindestens um die eingestellte Zahl an Stufen in der RGB-Skala auseinanderliegt. Mir gefällt der Effekt eines angehobenen Schwellenwerts meist nicht, oft wirkt das Bild dann durch die ungleichmäßig einwirkende Schärfung wolkig und verwaschen. Daher würde ich den Schwellenwert nur bei sehr schwierigen Bildern - vor allem bei Rauschproblemen - einsetzen.


Das Verfahren Unscharf maskieren funktioniert im Prinzip so, dass ein transparentes unscharfes Negativ des Bilds über das Original gelegt wird, um Konturen deutlicher hervorzuheben. Dadurch wird die Nachschärfung verstärkt an Konturen wirksam.


Der in meinen Augen beste Schärfungs-Filter ist der → Selektive Scharfzeichner, englisch 'Smart sharpen'. Hier stehen an Stelle des Schwellenwerts verschiedene Verfahren zur unscharfen Maskierung zur Verfügung: neben dem im 'Unscharf maskieren'-Filter angewendeten → Gaußschen Weichzeichner gibt es den → Tiefenschärfe abmildern - Filter, der außerhalb der Schärfe befindliche Bereiche stärker weichzeichnet und dort die Schärfung minimiert, wodurch aufgelöste Bereiche so gut wie gar nicht angegriffen werden. Diese Option würde ich als Standard wählen. Der dritte Filter Bewegungsunschärfe versucht, gezielt auf eine in einer bestimmten Richtung verwischte Unschärfe einzuwirken.


Was den Selektiven Scharfzeichner Außerdem 'smart' macht, ist die Möglichkeit, genau dosiert die heiklen sehr dunklen und sehr hellen Bildbereiche (dort entstehen am leichtesten die unerwünschten Nebeneffekte der Schärfung: Rauschen und Säume) aus der Schärfung auszuklammern. In jeweils einem Fenster für die Tiefen und für die Lichter kann man mit drei Schiebern folgende Einstellungen vornehmen:


→ Verblassen um regelt den Grad, mit welchem die betreffenden Bereiche vor der Schärfung geschützt werden sollen: von 0 (kein Schutz = volle Schärfung) bis 100% (voller Schutz = keine Schärfung).

→ Tonbreite und → Radius sind analog zu den Optionen der Tiefen/Lichter-Funktion (siehe Tiefen/Lichter), wobei der Radius hier aber Standard-mäßig auf 1 stehen sollte.


Mit diesen Optionen heißt es wie immer: experimentieren. Bei Bildern mit geringem Kontrastumfang werden die Unterschiede kaum sichtbar sein, bei einer Krähe im Schnee dann aber schon. Normalerweise fährt man mit Einstellungen um die 30% bis 40% gut. Die Ergebnisse werden mit dem Selektiven Scharfzeichner feiner und rauschfreier als mit 'Unscharf maskieren'.



Wie gehe ich beim Schärfen vor?


Ich erstelle für die zu schärfenden Bereiche eine Auswahl. Falls ich wie in Kapitel 7: Ein sinnvoller Workflow beschrieben bereits eine gespeicherte Auswahl zur Verfügung habe, rufe ich diese nun auf: (→ Auswahl → Auswahl laden) und nehme die nötigen Verfeinerungen vor: entweder durch Verkleinern um 1 - 3 Pixel und entsprechend weicher Kante, oder besser noch mit der schönen Option → Kante verbessern und dort den passenden Einstellungen (siehe Die Auswahlkante). Grundsätzlich sollte die Auswahlkante leicht innen an den Konturen verlaufen und nicht knallhart sein, um Säume zu verhindern. Wenn ich in der Schärfe liegende Bereiche der Umgebung mit in die Nachschärfung einbeziehen will, gehe ich in den


Maskierungsmodus


und radiere die betreffenden Bereiche (oft mit verringerter Deckkraft) frei.


Ich erstelle eine Ebene per → Ebene durch Kopie und wähle für das Bild die 100% Ansicht:


Zoomwerkzeug → Rechtsklick auf dem Bild → Tatsächliche Pixel


Ich rufe den Selektiven Scharfzeichner mit den oben beschriebenen Standard-Settings auf. Wer noch wenig Erfahrung im Nachschärfen hat, kann nun folgendes tun: unter → Scharfzeichnen die Stärke auf 50 (also mittelstark) und den Radius auf 0.1. (kleinster Wert) stellen und dann den Radius schrittweise hochziehen, bis es scharf, aber nicht überschärft aussieht. Um Überschärfung besser erkennen zu können, ziehe man den Radius absichtlich übers Ziel hinaus und reduziere ihn dann auf das bestbekömmliche Maß. Mit Klick auf das Vorschaubild und gehaltener linker Maustaste vergleiche man immer wieder die Vorher- mit der Nachher-Ansicht. Hat man den passenden Radius gefunden, spiele man anschließend nochmal mit der Stärke, gehe kräftig übers Ziel hinaus und reduziere ebenso kräftig, um ein Gefühl für die richtige Dosierung zu bekommen, die dann irgendwo liegen kann, meist aber nicht über 100. Passt es, klicke man → OK



Faustregeln und Richtwerte


Die Einstellungen für Stärke und Radius hängen im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: Der Pixelgröße des Bilds und seiner optischen Schärfe. Dabei ist die Wahl des passenden Radius entscheidender für ein gutes Schärfungsergebnis als die Wahl der passenden Stärke, bei der man einen größeren Spielraum hat. Als Orientierungshilfe daher hier mal zwei Faustregeln:


  • Regel 1: Je größer das Bild, desto größer muss der Radius gewählt werden.
  • Regel 2: Je schärfer das Bild, desto kleiner muss der Radius gewählt werden.

Beide Regeln implizieren natürlich ihre Umkehrung: Je kleiner das Bild, desto kleiner, je unschärfer das Bild, desto größer muss der Radius gewählt werden. Um das etwas konkreter zu machen, hier ein paar Richtwerte:


Bei Bildern von einer Breite von 4500px oder mehr bedeutet ein kleiner Radius bei guter Schärfe vielleicht 2.0px, ein großer Radius bei schlechter Schärfe 4.0px.


Bei Bildern von einer Breite von 3000px oder mehr bedeutet ein kleiner Radius bei guter Schärfe vielleicht 1.0px, ein großer Radius bei schlechter Schärfe 2.0px.


Bei Bildern von einer Breite von 1000px oder weniger, also Webgrößen, bedeutet ein kleiner Radius bei guter Schärfe 0.1px, ein großer Radius bei schlechter Schärfe vielleicht 0.3px.


Was die Stärke angeht, so kann man Werte unter 50% als gemäßigt, 80% schon als kräftig und 100% oder mehr als sehr kräftig betrachten. Oft ist es sinnvoll, einem großen Radius eine milde und einem kleinen Radius eine kräftigere Stärke beizugeben.


Tip: Eine gute Option kann ein zweiter Schärfunsdurchgang mit nach Augenmaß neu eingestellten, normalerweise stark reduzierten Settings sein.



Nachkorrekturen


Nach angewandter Schärfung untersuche ich das Ergebnis, und wo ich unerwünschte Effekte der Nachschärfung entdecke - z.B. hat in einem nicht in der Schärfe liegenden Bereich lediglich das Rauschen zugenommen, weiche Flaumfederchen sind zu Kratzbürsten geworden, feine Härchen haben Säume bekommen usw. - radiere ich die Schärfung mit dem Radiergummi und passender Deckkraft (ausprobieren!) an den betreffenden Stellen wieder teilweise oder ganz weg (siehe auch Ebenen-Technik/Ausschluss von Bildbereichen). Diese Methode ist besser, da verlustfrei, als die Korrektur überschärfter Bereiche mit dem


Weichzeichner-Werkzeug


Bereiche, die nicht genug Schärfung erhalten haben, kann man mit dem


Scharfzeichner-Werkzeug


Stärke möglichst nicht über 10%, nachbehandeln.


Die am Schluss entstandene Auswahl mit den verschieden starken Deckungsbereichen speichere ich nun als endgültige Schärfungs-Auswahl ab (→ Auswahl → Auswahl laden → Ebene 1 Transparenz → OK, und dann → Auswahl → Auswahl speichern → Neu bzw. Alpha 1 → OK) Danach verschmelze ich die Ebenen (→ Ebene → Sichtbare auf eine Ebene reduzieren)


Tip: Auch für die Bereiche Nachschärfung und Detailverdeutlichung gibt es von Topaz Labs mit InFocus und Detail interessante Plug-Ins mit teilweise verblüffenden Optionen der Micro-Kontrasterhöhung.



Vergleich USM (Unscharf maskieren) contra Selektiver Scharfzeichner



Abb. 31: Dies ist ein gedrehter Ausschnitt aus einem ungeschärften Fullframe in 100%-Ansicht. Auf den wollen wir einmal die beiden oben genannten Scharfzeichnungsfilter anwenden:



Abb. 32: Vergleich USM - Selektiver Scharfzeichner. Die Werte beziehen sich auf Stärke, Radius und Schwellenwert bei USM, bzw. auf Stärke, Radius und die oben beschriebenen Tiefen/Lichter-Settings beim Selektiven Scharfzeichner. Beide Schärfungen wurden ohne Auswahl pauschal angewandt, also so, wie man es nicht machen sollte. Es wird offensichtlich, dass das Ergebnis mit USM erheblich gröber ausfällt und bereits ordentlich überschärft ist. Ein unfairer Vergleich, da USM eben nicht über die Möglichkeiten des Selektiven Scharfzeichners verfügt.


Geben wir USM aber noch eine Chance:



Abb. 33: Hier habe ich bei USM wesentlich gemäßigtere Wert gewählt, was ein ansprechenderes Ergebnis zur Folge hatte. Allerdings war dann auch die Schärfung nicht mehr so wirkungsvoll.



Abb. 34: Zum Schluss noch der Vergleich Pauschalschärfung und gezielt per Auswahl angewandter Schärfung, ausgeführt auf einer Ebene und mit dem Radiergummi Überschärfungen korrigiert. Wer genau hingeschaut hat, hat gesehen, dass die im Vergleich mit USM 'siegreich' hervorgegangene Pauschalschärfung mit dem Selektiven Scharfzeichner auch nicht das Gelbe vom Ei und für viele Bereiche zu viel des Guten war (Reflektionen auf dem Schnabel und im Auge, Säume an der Stirn und an Schwarzweiß-Konturen im Gefieder, leicht rauschiges Flaumgefieder...). Diese Mängel habe ich in der unteren Version versucht, mit dem Radiergummi bei verschieden starker Deckkraft zu beheben. Diese Version würde ich nun nochmals mit Topaz DeNoise entrauschen und dann als endgültige Fassung abspeichern.



Das Problem mit der Nachschärfung bei Jpeg-Originalen



Abb. 35: Beispiel für ein unschärfbares Jpeg-Original: ausser Rauschen nichts gewesen... Die Aufnahme stammt von Pascale.




USM zur Anhebung des 'Local Contrast'


Wie zu Anfang beschrieben erhöht ein Scharfzeichnungsfilter den Kontrast zwischen benachbarten Pixeln unterschiedlicher Tonwerte. Diese Funktion kann man sich auch zu Nutze machen, wenn man den Kontrast in einem flauen Bild in feingranularer Weise verbessern will, das heisst ohne großflächige helle Bereiche noch heller oder dunkle Flächen noch dunkler werden zu lassen, sondern nur durch eine Kontrastanhebung im unmittelbaren 'lokalen' Umkreis von wenigen Pixeln. Dafür wähle man eine extrem niedere Stärke von ~ 20%, und einen extrem weiten Radius von ~50px bei Default-Schwellenwert 0. Wer also einmal mit den Mitteln der Tonwertkorrektur nicht mehr weiterkommt, für den könnte dieses Verfahren noch eine Option sein.




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