Freudentanz
| Eingestellt: | 2026-03-10 |
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| Aufgenommen: | 2026-02-18 |
| B2 © | |
| Es gibt Begegnungen in der Natur, die mehr sind als nur ein schöner Moment – sie fühlen sich an wie ein Privileg. Die Begegnung mit den Mandschurenkranichen auf Hokkaidō gehört zweifellos dazu. Der Mandschurenkranich zählt zu den seltensten Kranicharten der Welt. Heute leben nur etwa 2400 Tiere. Dass es überhaupt noch so viele sind, grenzt fast an ein kleines Wunder. Im späten 20. Jahrhundert wurde ein Großteil ihres ursprünglichen Lebensraums in Russland, China und Japan in Farmland umgewandelt. Vielerorts versuchen Zoos und Schutzgebiete inzwischen mit Zuchtprogrammen gegenzusteuern, um die Art zu erhalten. Auf Hokkaidō selbst galt der Kranich zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits als verschwunden. Erst 1924 bildete sich wieder eine kleine Gruppe. Und dann kam der Winter 1952. Eine extreme Frostperiode drohte die letzten etwa dreißig Tiere zu töten. Bauern aus der Region legten damals Futter an einer heißen Quelle aus, an der sich die Kraniche versammelten. Diese einfache, menschliche Geste rettete ihnen vermutlich das Überleben – und daraus entstand eine Tradition. Bis heute bringen Bauern im Winter Futter auf die Felder, wodurch sich die Population auf Hokkaidō stabilisieren konnte. Genau dort durfte ich sie erleben. Noch vor Sonnenaufgang liegt die Landschaft still und kalt da. Raureif bedeckt die Felder, die Luft ist klar und schneidend. Bevor in der Ferne die ersten Silhouetten auftauchen, hört man vom Fluss her die ersten Rufe. Und dann geht es los: Große, elegante Vögel gleiten lautlos durch den Morgenhimmel. Die Kraniche wissen genau, wohin sie müssen. Seit Generationen fliegen sie zu diesen Feldern. Dann kommen die Bauern. Kaum betreten sie das Feld und beginnen mit der Fütterung, verändert sich die Stimmung schlagartig. Die Kraniche landen in immer größerer Zahl. Ihre Flügel schlagen langsam durch die kalte Luft, und überall erklingen ihre trompetenden Rufe. Das Schauspiel beginnt: Paare springen synchron in die Luft, werfen die Flügel weit auf, verbeugen sich voreinander und beginnen ihren Tanz. Es sind komplexe Balzrituale – vielleicht die aufwendigsten unter allen Kranicharten. Nebenan geraten zwei Vögel in einen Revierstreit, springen hoch, schlagen mit den Flügeln, rufen laut. Ein paar Meter weiter steht ein Paar ganz still nebeneinander, die Köpfe hoch erhoben, als würden sie gemeinsam den Morgen begrüßen. Diese Mischung aus Tanz, Rufen, Rivalität und Zärtlichkeit wirkt fast surreal. Kein Wunder, dass der Mandschurenkranich in der asiatischen Kunst seit Jahrhunderten eine so große Rolle spielt. Wer dieses Verhalten einmal erlebt hat, versteht sofort warum. Es ist anmutig, würdevoll – und gleichzeitig voller Energie. Mit der Kamera in der Hand versucht man, diesen Moment einzufangen. Aber irgendwann merkt man: Es geht gar nicht mehr nur ums Fotografieren. Man steht einfach da und schaut. Lässt die Szene wirken. Die weißen Körper im Schnee. Und man denkt daran, wie knapp diese Art dem Verschwinden entgangen ist. Dass sie heute noch hier tanzen, verdanken sie nicht nur Schutzprogrammen – sondern auch ein paar Bauern, die vor Jahrzehnten beschlossen haben, ein paar Vögeln durch einen harten Winter zu helfen. Vielleicht macht genau das diese Begegnung so besonders: Man erlebt nicht nur ein Naturwunder, sondern auch eine Geschichte darüber, wie Mensch und Natur gemeinsam überleben können. Und mittendrin stehen die Mandschurenkraniche und tanzen im Schnee. |
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| Technik: | NIKON Z 9, NIKKOR Z 600mm f/4 TC VR S 1/2000s, F/8, ISO 1400, 600mm |
| Fotografischer Anspruch: | Fortgeschritten ? |
| Größe | 783.2 kB 1667 x 2500 Pixel. |
| Platzierungen: |
Beste Tophit-Platzierung: 2 Zu den Tophits
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| Ansichten: | 127 durch Benutzer218 durch Gäste |
| Rubrik Vögel: | |
Deine Serie begeistert mich jetzt schon.
So auch hier ,fast monochrom wirkt noch intensiver!
Danke auch für die ausführliche Beschreibung.
LG
Michael
4 Sterne !!
BG, Norbert
ein wunderbares Bild und danke für die vielen interessanten Infos.
Wenn meine Flugangst nicht so ausgeprägt wäre (bin zwar Vielflieger, aber ich vermeide Langstrecken), wären wir auch schon dort gelandet, denn Hokkaido fasziniert mich schon immer...
Freue mich auf die weiteren Bilder.
Viele Grüße,
Thomas
Schönheit in ihrer Essenz! Gefällt mir ausgezeichnet in dieser minimalistischen Darsellung! ****
LG,
Marion
das sind sehr liebe Worte, danke dir!
Viele Grüße
Simon
LG Ingolf
ganz lieben dAnk für deine Worte.
LG
SImon
Die Aufnahme aber auch Dein Bericht dazu - gibt ja meist nur negative Nachrichten, da tut das richtig gut.
Und Dein Foto ist absolut gelungen und sehr passend zu den positiven Erlebnissen!
LG Caroline
ja, es gibt auch die guten Nachrichten, und wir sollten sie zelebrieren, das hilft, den Kopf wieder aufzurichten.
Ich danke dir!
LG
Simon
Anmutig schön...ich bin begeistert 👌👍
Ich danke dir Stefan. Das mit dem Sterne absahnen (zurecht!) kennst du ja ziemlich gut, daher doppelte Freude :)
LG
Simon
Das tolle Bild passt perfekt zu Deinem Namen. 😉
Ich finde es sehr edel. 😊
LG Anke
haha, danke für die Blumen, freut mich :)
LG
Simon
Eigentlich wirkt das Bild durch die reduzierten Farben und Strukturen recht "eindimensional" - dann kommen aber die unscharfen Schneeflocken ins Spiel und erzeugen dadurch doch Tiefe!
Das muss wirklich eine wundervolle Reise gewesen sein!
LG, Heike
tatsächlich hängt es seit gestern mit weiteren Bildern an der Wand. Und es macht sich hervorragend, wie ich finde. Danke dir!
Die Reise war überragend, auch weil Kultur, Kulinarik und co. wunderbar mitgespielt haben. Ich werde noch lange davon zehren ;)
LG
Simon
Auch deine Beschreibung läßt einen das Schauspiel förmlich miterleben, das muß ein grandioses Erlebnis sein!
LG, Günther
das ist es tatsächlich. Und es ist so anders als erwartet, so rührend.
Danke dir!
Glückwunsch zum fantastischen High Key.
viele Grüße
Julius
Ganz ausgezeichnet in alles Belangen.
BG Robert