Schriftart wählen

Schriftgröße wählen

Zeilenabstand wählen

Ein König unter Adlern

Ein König unter Adlern
  • Hintergrundfarbe ändern
  • Kontextmenü-Emulation abschalten
* ** *** ****
©...
https://naturfotografen-forum.de/data/p/437/2185357/fast-thumb.jpghttps://naturfotografen-forum.de/data/o/437/2185357/image.jpg
Eingestellt:
Aufgenommen: 2026-02-13
B2 ©
Rausu – an der Ostküste Hokkaidōs. Dort, wo im Winter das Packeis aus dem Ochotskischen Meer in die Meerenge gedrückt wird. Hier treffen Naturschutz, Fischerei und Tourismus unmittelbar aufeinander – und ich gebe offen zu: Ob dieses Zusammenspiel wirklich nachhaltig ist, weiß ich nicht.

Fakt ist: Der Bestand des Riesenseeadlers gilt als abnehmend. Weltweit gibt es weniger als 2.000 Brutpaare, und im Schnitt bringt ein Paar nur etwa 0,6 Jungvögel pro Jahr durch. Lebensraumverlust und Störungen setzen der Art zu.

Im Winter jedoch sammeln sich viele dieser gewaltigen Adler rund um Rausu. Sie haben gelernt, den Fischerbooten zu folgen und Beifang abzugreifen. Später begann man, gezielt Futter auszubringen, um ihre Überlebenschancen in der harten Jahreszeit zu erhöhen. Daraus entwickelte sich ein eigener Tourismuszweig: Boote fahren hinaus ins Packeis, werfen Fisch ins Wasser – und dutzende Adler erscheinen, setzen an, greifen zu. Für Fotografen ist es ein spektakuläres Schauspiel.

Als wir am ersten Tag hinausfuhren, war vom Packeis nichts zu sehen. Offenes, dunkles Meer. Doch über Nacht drehte der Wind, und am nächsten Morgen war die Meerenge voller treibender Eisschollen. Auf einmal saßen sie überall auf dem Eis oder kreisten in der klaren Luft. Sie nutzen die Schollen als Ansitz zur Jagd – sowohl auf natürliche Beute als auch in der inzwischen gewohnten Erwartung der Boote.

Und was für ein Tier dieser Riesenseeadler ist! Unser heimischer Seeadler erreicht beeindruckende 1,8 bis 2,4 Meter Spannweite. Doch der Riesenseeadler mit bis zu 2,8 Metern und diesem gewaltigen, orange-gelb leuchtenden Schnabel lässt ihn im direkten Vergleich beinahe zierlich wirken. Wenn so ein Vogel dicht über dem Boot anfliegt, spürt man förmlich den Druck seiner Schwingen.

Was bleibt, ist ein ambivalentes Gefühl. Die Begegnungen sind intensiv, nah, fotografisch ein Traum. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Gewöhnen wir die Tiere zu sehr an den Menschen? Verändern wir ihr natürliches Verhalten? Oder hilft die zusätzliche Winterfütterung tatsächlich, eine bedrohte Art zu stabilisieren?

Trotz aller Fragen: Diese Tage im Packeis vor Rausu gehören zu den eindrücklichsten Naturerlebnissen, die ich bisher hatte. Und vielleicht ist genau diese Mischung aus Faszination und Zweifel das, was solche Orte so besonders macht.

Technik:
NIKON Z 9, NIKKOR Z 600mm f/4 TC VR S
1/3200s, F/4.5, ISO 4500, 600mm
Fotografischer Anspruch: Fortgeschritten ?
Größe 1.0 mB 2500 x 1666 Pixel.
Platzierungen:
Beste Tophit-Platzierung: 12 Zu den Tophits
Ansichten: 95 durch Benutzer182 durch Gäste
Rubrik
Vögel: