Vorweg eine Empfehlung: wer meinen Artikel entspannt am Bildschirm lesen möchte, sollte im Menü 'Zugang' unter 'Layout' die Fontgröße auf 'groß' stellen.





Hinweis:

Download als PDF

Kommentare zum Artikel







Leitfaden zur elektronischen Bildverarbeitung (EBV)


von Christoph Keller





Teil III


Kapitel 6: Stempeleingriffe




Die Funktion des Stempels und wie man ihn anwendet


Mit dem


Kopierstempel


in der Werkzeug-Box kann man Bereiche aus einem Bild an einer anderen Stelle desselben Bilds oder auch in ein gleichzeitig geöffnetes zweites Bild nachkopieren, und zwar so:


  1. Den Kopierstempel anklicken.
  2. Mit dem Mauszeiger an die Stelle im Bild fahren, die man kopieren will, und bei gedrückter 'Alt'-Taste links klicken. Damit hat man die 'Source' gewählt, also den Bereich, der kopiert werden soll.
  3. Nun mit dem Mauszeiger an die Stelle im selben oder in einem gleichzeitig geöffneten zweiten Bild fahren, auf die der in Schritt 2 ausgewählte Punkt/Bereich kopiert werden soll, und Linksklick (für eine punktuelle Kopie) bzw. mit gedrückter linker Maustaste 'malen'.

Bei den Optionen oben finden wir von links:


Pinsel


Die Wahl (Größe und Kantenhärte) der Werkzeugspitze, (schneller per Rechtsklick auf dem Bild erreichbar...). Dann


Modus


Eine Auswahl trickreicher Funktionen, von denen für uns hier aber nur die erste Option Normal von Interesse sein soll.


Deckkraft


und


Fluss


sind wichtige Optionen zur Dosierung. In der Default-Einstellung stehen beide auf 100%, das heißt es wird sofort beim ersten Klick mit voller Deckkraft kopiert. Mit der Deckkraft kann man selbige verringern, mit dem Fluss kann man einstellen, ob diese Deckkraft sofort oder erst bei mehrmaligem Überfahren erreicht werden soll. Aktiviert man den Airbrush rechts daneben, erhöht sich die Deckkraft im Tempo des eingestellten Fluss bei gedrückter linker Maustaste auch bei unbewegter Werkzeugspitze bis auf den unter Deckkraft eingestellten Wert. Wem das alles zu kompliziert ist, dem empfehle ich, den Fluss auf 100% zu lassen, den Airbrush nicht zu aktivieren und nur über Deckkraft zu dosieren, das funktioniert auch.


Rechts neben dem Airbrush kann man in einem Kästchen die Option


Ausgerichtet


aktivieren bzw. deaktivieren. Ein dort gesetztes Häkchen bewirkt, dass der als 'Source' gewählte Punkt fest mit dem Kopierpunkt verankert wird, also immer in gleichem Abstand und gleichem Winkel mitläuft. Entfernt man das Häkchen per Klick, springt der 'Source'-Punkt an die ursprünglich gewählte Stelle zurück, sobald man die Maustaste loslässt.


Rechts daneben geht es um die Wahl der Ebene für den Stempeleingriff (falls eine solche erstellt wurde), und nochmals um eine Auswahl vorgefertigter Werkzeugspitzen.



Was kann man mit dem Stempel machen?


Grundsätzlich zweierlei:



Störende Bildelemente entfernen


Dabei kann es um Sensorflecken im Himmel gehen, die man einfach durch Überkopieren der gleichen Himmelsfarbe entfernt, oder um Dreck und Staub in Scans aller Art, den man in gleicher Weise durch Überkopieren mit passenden Farben beseitigen kann. Auch Säume aller Art, besonders Farbsäume durch chromatische Aberration, können bei stark vergrößerter Ansicht (200-500%) und sehr kleiner Werkzeugspitze (1-5px) überstempelt werden.


Tip: Statt dem Stempel kann man hierfür auch den


Schwamm


im Modus Sättigung verringern und bei 100% Fluss verwenden, das geht etwas einfacher, wenn auch vielleicht nicht ganz so sauber.


Ein störend ins Bild spickelnder Zweig, ein angeschnittener Vogel am Rand eines Schwarms, ein direkt durchs Auge des seltenen Tieres laufender Grashalm, Telegrafenmasten, Stromleitungen, Zäune... usw., all das kann mit dem Stempel entfernt werden, vorausgesetzt, man kann mit ihm umgehen, das heißt, der Störfaktor verschwindet spurlos!



Abb. 7: Beispiel für eine schwierige Stempelarbeit zur Entfernung störender Bildelemente. Oben: so kam das Bild aus dem Raw-Konverter. Unten: nach dem Stempeleingriff.



Fehlende Bildbereiche hinzufügen


Beispiel: Ein herrlich scharfes Flugfoto einer seltenen Vogelart, aber welch ein Pech: der Vogel fliegt links an den Bildrand, hat also in Flugrichtung noch 2cm Platz. Da greifen wir zunächst zum


Freistellungswerkzeug


(siehe Kapitel 5: Die Ausschnitt-Optimierung), mit dem man nämlich nicht nur beschneiden, sondern auch vergrößern kann, ziehen die linke Seite des Rechtecks soweit nach links über das Bild hinaus, bis der Vogel vorne genug Platz hat, und beschneiden zum Ausgleich hinten, wo zu viel Platz war. Den neu geschaffenen leeren Bildbereich stempeln wir dann mit der Himmelsfarbe zu.


Oder schlimmer noch: eine Flügelspitze des seltenen Vogels ist angeschnitten...! Da vergrößern wir wie oben beschrieben zunächst den Bildausschnitt, bis der Flügel ganz ins Bild passt, ergänzen wie oben im neuen Bildbereich den Himmel, und müssen dann mit viel Geschick die fehlende Flügelspitze mit dem Stempel dazu kopieren, wobei wir als Source ähnliche Federn des Vogels oder eventuell auch ein zweites Bild, auf dem die Flügelspitze zu sehen ist, verwenden können, wobei wir allerdings sowohl die Größe der Source genau an die zu erstellende Kopie anpassen müssen - im Menü


BildBildgröße


- als auch die perspektivische Verzerrung, und zwar folgendermassen:


  1. Die fertig kopierte Flügelspitze in eine Auswahl bringen (siehe Kapitel 7: Auswahlen erstellen).
  2. Im Menü


    BearbeitenTransformieren


    oder


    BearbeitenFrei transformieren plus Rechtsklick


    mit den Optionen


    Drehen


    Perspektivisch


    und


    Verkrümmen


    die Perspektive anpassen (auch per Rechtsklick auf dem Bild →


    Frei transformieren


    und nochmaligem Rechtsklick zu erreichen, allerdings nicht beim Zauberstab).

  3. Die fertig transformierte Auswahl am Schluss per Druck auf die 'Enter'-Taste erstellen.

Auch ein am Boden sitzendes Tier kann mit der Schnauze an den Bildrand stoßen. Auch dann ist ein Ansetzen des fehlenden Platzes wie oben beschrieben möglich, nur wesentlich schwieriger und aufwändiger, da man die Bodenstrukuren - Gräser, Steine usw. - mit dem Stempel nahtlos in den neuen Bildbereich fortführen muss.



Abb. 8: Beispiel für die Montage abgeschnittener Körperteile per Stempel: Links das ungeschärfte Original, rechts das fertige Bild. Da kein weiteres Quellbild zur Verfügung stand, musste ich die fehlenden Bereiche aus dem vorhandenen Material des Originals dazu'malen'. (Die Aufnahme stammt von Andreas Lettow).



Tip: Von einer aufwändigen Stempelarbeit sollte man vor der weiteren Bearbeitung eine Sicherheitskopie als Tiff anlegen, ein 'Stempel-Original' sozusagen, auf das man zurückgreifen kann, wenn man beim Entrauschen, den Tonwerten oder der Schärfung später Mist baut.



Gutes und schlechtes Stempeln


Kurz auf einen Nenner gebracht: Gutes Stempeln sieht man nicht...


Um dies zu erreichen, braucht man ein gutes Auge und malerisches Talent: um die richtigen Bereiche als Source auszuwählen. Um Unregelmäßigkeiten z.B. im Schärfegrad von angesetzten Konturfortsetzungen zu erkennen. Um sichtbare Duplikate zu vermeiden. Und eine genaue Vorstellung von der Beschaffenheit der Bereiche, die man hinzufügen möchte: wie hätten sie direkt fotografiert ausgesehen?


Und man braucht Geschicklichkeit: Im Umgang mit der Maus: man sollte an einer glatten Kante ruhig und ohne zittrige Krakler entlangfahren können. In der Wahl der passenden Werkzeugspitze: sowohl eine zu harte als auch eine zu weiche Kante kann Spuren hinterlassen. Ebenso kann eine zu klein gewählte Größe der Werkzeugspitze bei großflächigen Bereichen oder eine zu groß gewählte Größe in Mikrobereichen Spuren hinterlassen. In der Wahl der passenden Deckkraft: je transparenter und zarter der Bereich ist, in den man eingreifen will, desto geringer muss die Deckkraft sein, bis hin zu 10% und weniger. Stempeln ist eine Kunst... aber auch eine



Gewissensfrage


Noch weit mehr als dem nachträglichen Beschneiden eines Bilds haftet dem Eingriff mit dem Stempel der 'Ruch' von Betrug und Fälschung an, und dies, in aller Offenheit sei's gesagt, berechtigter Weise! Denn was ich mit dem Stempel verschwinden lasse oder hinzufüge, ist nicht mehr die ursprünglich von außen auf dem Sensor empfangene Information... Ein Sensorfleck ist dies allerdings ebenso wenig... Und ein vorort entfernter Zweig, womöglich unter Zuhilfenahme eines Messers, ist ebenfalls ein Eingriff in die ursprüngliche Information, der darüber hinaus mehr Schaden anrichtet, als wenn man den Zweig später mit dem Stempel entfernt...


Die Gewissensfrage lautet: ein optimales Bildergebnis auf Kosten von dokumentarischer Glaubwürdigkeit? Wer hier offen mit 'Ja' bekennt, und seinen Stempeleingriff ebenfalls offen angibt, liegt meiner Ansicht nach genauso richtig wie der, der Stempeleingriffe prinzipiell als verfälschend ablehnt oder auf die Entfernung von Sensorflecken beschränkt. Falsch liegt nur der, der ein gestempeltes Bild als dokumentarisch deklariert und den Stempeleingriff verschweigt. Dieser Weg führt über kurz oder lang zum Verlust der eigenen Glaubwürdigkeit...


Fazit: Stempeleingriffe nach Möglichkeit sein lassen. Wer dennoch einen ganz besonderen Moment in einem verunglückten Foto per Stempel retten will, nach dem wehmütigen Motto: '...so schön hätte es werden können...!', der soll dies tun und den Eingriff angeben, und alles ist in Ordnung.




Kapitelanfang

Inhaltsverzeichnis






Kapitel 7: Auswahlen erstellen




Wann muss eine Auswahl erstellt werden?


Wenn man nicht das ganze Bild, sondern nur einen Teilbereich desselben bearbeiten will. Eine Auswahl bewirkt, dass nur der innerhalb derselben liegende Bereich zur Bearbeitung freigegeben wird, während der außerhalb liegende Bereich geschützt, abgedeckt, oder wie man auch sagt 'maskiert' wird.


Da der nun anstehende Bearbeitungsschritt die Entrauschung ist (siehe nächstes Kapitel), und diese in der Regel nur auf ausgewählte Bereiche angewendet werden sollte, und da sich diese Bereiche meist aus der Umkehrung der Auswahl ergeben, die wir später bei der Nachschärfung benötigen, ist es sinnvoll, zu diesem Zeitpunkt bereits beide Auswahlen zu erstellen (siehe unten: Ein sinnvoller Workflow).


Die Erstellung der Auswahlen ist oft der arbeits- und zeitaufwändigste Teil der Bild-Bearbeitung!



Die Auswahl-Werkzeuge


Prinzipiell gibt es zwei Arten von Auswahlwerkzeugen: diejenigen, mit denen man frei 'per Hand' auswählen kann, und diejenigen, die sich automatisch an die Konturen im Bild anlegen.


Zur ersten Kategorie gehört das


Lasso


und ganz unten in der Werkzeug-Box


Im Maskierungsmodus bearbeiten


Zur zweiten Kategorie gehört das


Magnetische Lasso


im selben Kästchen wie das Lasso Tool, und der


Zauberstab


der sich zusammen mit dem


Schnellauswahlwerkzeug


im selben Kästchen befindet.



Die Grund-Optionen


Mit Ausnahme des Schnellauswahlwerkzeugs und des Maskierungsmodus gibt es für all diese Werkzeuge oben bei den Optionen links an erster Stelle 4 Modi:



1. Den Neue Auswahl - Modus: Mit dem ersten Klick wird eine Auswahl erstellt, mit dem zweiten wird eine neue Auswahl erstellt, wobei die erste Auswahl gleichzeitig gelöscht wird.


2. Den Der Auswahl hinzufügen - Modus: Mit dem ersten Klick wird eine Auswahl erstellt, mit weiteren Klicks kann man Bereiche zu dieser Auswahl hinzufügen, ohne die vorhergehenden Auswahlen zu löschen.


3. Den Von Auswahl subtrahieren - Modus: Mit dem ersten Klick wird eine Auswahl erstellt, mit weiteren Klicks kann man Bereiche von dieser Auswahl abziehen.


4. Den Schnittmenge mit Auswahl bilden - Modus (nicht für das Schnellauswahlwerkzeug): Damit wird nur der Schnittbereich zwischen zwei Auswahlen gewählt.


Für uns sind vor allem die Optionen 2 und 3 von Interesse: Der Auswahl hinzufügen, mit einem kleinen + im Mauszeiger markiert und im folgenden 'Plus-Modus' genannt, und Von Auswahl subtrahieren, mit einem kleinen - im Mauszeiger markiert und im folgenden 'Minus-Modus' genannt.


Das Lasso


Mit dem Lasso umfährt man bei gedrückter linker Maustaste den Auswahlbereich. Lässt man die Maustaste los, schließt sich die Auswahl automatisch durch Verbindung der beiden Enden mit einer Geraden. Zusätzlich zu den obigen Grund-Optionen kann man die Kantenhärte wählen und → Glätten zur Vermeidung von 'Treppchenbildung' aktivieren.


Das Magnetische Lasso


heftet sich automatisch - aber nicht immer ganz punktgenau - mit kleinen 'Ankern' an Konturen im Bild, wenn wir nahe genug an sie heranfahren. Auf welche Entfernung Konturen erkannt werden sollen, wie hoch der Kontrast der Kontur zur Erkennung sein soll, und wie viele Ankerpunkte gesetzt werden sollen, kann man oben in den zusätzlichen Optionen → Breite, → Kontrast und → Frequenz einstellen. Außerdem muss man das Magnetische Lasso 'von Hand' schließen, kann es aber dafür ziehen, ohne die Maustaste gedrückt zu halten. Zum Schließen der Enden einmal klicken.


Der Zauberstab


ist immer dann angesagt, wenn die Auswahl punktgenau sitzen soll. Er wählt gleichfarbige beziehungsweise ähnliche Pixel aus. Je nachdem, wie Du seine → Toleranz oben in der Optionen-Leiste einstellst, feiner oder gröber. Bei einem grau bewölkten Himmel z.B. wählt er mit Toleranz 10 vielleicht nur ein winziges Stückchen des genau gleichen Grautons aus, bei Toleranz 50 vielleicht den ganzen Himmel mit einem Schlag. Es ist also wichtig, die Toleranz der Aufgabe gemäß einzustellen, damit Du einerseits mit möglichst wenigen Klicks alles in die Auswahl bekommst, und andererseits die Auswahl nicht in ungewollte Bereiche überspringt. 20 ist vielleicht ein guter Mittelwert. Bei starken Kontrasten musst Du mehr, bei sehr feinen Tonwertdifferenzen weniger nehmen. Die zusätzliche Option → Benachbart sollte in der Regel aktiviert sein. Sie bewirkt, dass nur direkt zusammenhängende Bereiche ausgewählt werden. Deaktiviert man sie, werden alle Bereiche des betreffenden Farbtons im Bild ausgewählt (diesen Effekt kannst Du auch mit der Option → Ähnliches auswählen im Auswahl-Menü erzielen).


Das Schnellauswahlwerkzeug


ist eine neue Errungenschaft ab Photoshop CS3, ein geniales Tool zur schnellen Auswahl-Erstellung. Es funktioniert wie eine Kombination aus Zauberstab und Magnetischem Lasso und wählt ausreichend konturierte Bereiche blitzschnell aus, wenn man bei gedrückter Maustaste nahe genug innen an den Konturen entlangfährt.


Im Maskierungsmodus bearbeiten


Klickt man diese Option an, kann man mit dem


Pinsel


die Bildbereiche zupinseln (maskieren), die man von der Auswahl ausschlissen will. Mit dem


Radiergummi


kann man maskierte Bereiche wieder freiradieren, also zur Auswahl hinzufügen. Sowohl beim Maskieren als auch beim Radieren stehen sämtliche Werkzeugspitzen und die Optionen für Deckkraft und Fluss zur Verfügung, die ich im vorigen Kapitel in Bezug auf den Stempel bereits erläutert habe (siehe Die Funktion des Stempels und wie man ihn anwendet). Am Schluss kehrt man durch einen erneuten Klick auf den Maskierungsmodus zum normalen Auswahl-Modus zurück.


Tip: Von Topaz Labs, einer privaten Software-Firma aus Dallas, die hervorragende Plug-Ins für Photoshop entwickelt hat, kann man sich mit dem Programm ReMask ein professionelles Auswahltool besorgen, mit dem feinste Strukturen, Haare, durchsichtige Schleier usw. perfekt ausgewählt und freigestellt werden können.



Wie erstellt man eine Auswahl?


Drei Fallbeispiele


Fall 1: Der auszuwählende Bereich ist monochromer/strukturärmer als seine Umgebung, z.B. ein Kohlweißling in einem bunten Blütenmeer.


Wenn Du über das Schnellauswahlwerkzeug verfügst, immer erst mal damit versuchen. Wenn es zu ungenau arbeitet oder nicht zur Verfügung steht, wählst Du den Kohlweißling mit dem Zauberstab an und klickst dann im Plus-Modus in die Bereiche, die nicht ausgewählt wurden, bis alles in der Auswahl ist. Du kannst auch erst mit dem Lasso innen an den Kanten entlangfahren und dann die Restränder mit dem Zauberstab hinzufügen.


Fall 2: Der auszuwählende Bereich hat mehr Struktur als seine Umgebung, z.B. eine bunte Libelle vor grün aufgelöstem Hintergrund.


Dann nimmst Du erst das Lasso, fährst grob um den auszuwählenden Bereich herum, wählst dann den Zauberstab und klickst im Minus-Modus auf die Bereiche zwischen Lasso und Libelle. Damit bringst Du die Auswahl dann punktgenau an Dein Motiv heran.


Falls die Auswahl dabei teilweise in die durchsichtigen Flügel der Libelle gesprungen ist, kannst Du diese Bereiche mit dem Lasso im Plus-Modus wieder zur Auswahl hinzufügen, oder im Maskierungsmodus mit dem Radiergummi freiradieren.


Fall 3: Der auszuwählende Bereich hebt sich konturmäßig nicht von seiner Umgebung ab oder ist verwoben mit Elementen, die nicht in die Auswahl sollen, z.B. eine grüne Heuschrecke im grünen Gras, verdeckt von unscharfen Grashalmen. Da bleibt nur mühsame Handarbeit: mit dem Lasso so genau wie möglich um die Heuschrecke fahren, und dann im Quick Mask Mode die unscharfen Halme zupinseln.



Die Auswahlkante


Ein großes Problem bei der Bearbeitung eines ausgewählten Bereichs sind natürlich die Ränder, besonders bei Tonwertkorrekturen. Je stärker Du korrigierst, desto weicher musst Du die Auswahlkante machen, sonst wird sie als hässlicher Rand sichtbar... Bei den Lassos kannst Du dies schon vorher in den Optionen, bei allen Auswahl-Tools nachträglich per Rechtsklick über dem Bild oder im Menü


AuswahlAuswahl verändernWeiche Kante


einstellen. Dann hast Du allerdings das Problem, dass eine weiche Kante auch weiter streut, es entstehen also Säume. Das verhinderst Du, in dem Du die Auswahl mindestens um die Pixelzahl verkleinerst, die Du bei der weichen Kante gewählt hast:


AuswahlAuswahl verändernVerkleinern


Für Tonwertkorrekturen in scharfen Motiven reichen normalerweise 3-5px weiche Kante/Auswahl verkleinern, um die Kante unsichtbar zu machen, für die Nachschärfung 1-3px. Wenn die Auswahlkante nicht an einer Kontur anliegt, sondern z.B. durch einen aufgelösten Bereich läuft, muss die Kante für eine Tonwertkorrektur allerdings wesentlich weicher sein (10 - 100px oder mehr), oder man setzt den Maskierungsmodus ein und erstellt die Auswahl mit großer weicher Werkzeugspitze und eventuell verringerter Deckkraft.


Eine hübsche neue Option für alle Auswahl-Tools ist ab Photoshop CS3


Kante verbessern


Dort gibt es neben der → Weichen Kante, die einen einheitlichen 'Blur' auf die Auswahlkante anwendet, mit → Radius eine Weichmach-Methode, die die Kante 'sensibler' in Bereichen kleiner Details und weicher Übergänge macht. Mit → Abrunden kann man eine krakelige Kante zu einer geraden Kante machen, mit → Kontrast kann man die Kante schärfen. Außerdem kann man die Auswahl mit → Verkleinern/Erweitern in feingranularer Dosierung verkleinern und vergrößern.




Ein sinnvoller Workflow


Beispiel: Wir sind bei der Bearbeitung der Libelle vor grün aufgelöstem Hintergrund, Fall 2 der Fallbeispiele oben. Wir haben den Ausschnitt gefunden, Stempeleingriffe waren nicht nötig, und wollen nun den grünen HG entrauschen, also alles mit Ausnahme der Libelle und dem Ansitzhalm. Wie gehen wir vor?


Wir bringen wie oben beschrieben das Motiv in eine Auswahl, wobei wir uns noch nicht um Kantenweichheit, Verkleinern usw. kümmern. Diese Auswahl speichern wir ab: Im Menü


AuswahlAuswahl speichernOK


Man kann der Auswahl dort einen Namen geben, z.B. 'Schärfung', muss aber nicht. Mit Klick auf → OK wird die Auswahl gespeichert. Von nun an ist sie unter


AuswahlAuswahl ladenOK


unter ihrem Namen, bzw. falls keiner gegeben wurde unter 'Alpha 1' abrufbar, und bleibt auch bei einer Abspeicherung als Tiff oder PSD erhalten.


Nun kehren wir die Auswahl um: Rechtsklick über dem Bild, → Auswahl umkehren (geht auch oben im Auswahl-Menü). Nun ist alles in der Auswahl außer dem scharfen Motiv, also der Bereich, den wir entrauschen wollen. Um zu verhindern, dass bei der Entrauschung die Konturen der Libelle angegriffen werden, verkleinern wir sicherheitshalber die Auswahl um 3px und prüfen in 100%-Ansicht, ob alle Härchen außerhalb der Auswahl liegen. Härchen, die in die Auswahl hereinspicken, umfahren wir im Minus-Modus mit dem Lasso, damit sie bei der Entrauschung nicht weich- oder ganz weggespült werden. Anschließend speichern wir auch diese Auswahl als 'Entrauschung' oder 'Alpha 2' ab, und können nun die Entrauschung vornehmen (siehe Kapitel 8: Die Entrauschung)


Sind wir dann bei der Nachschärfung angekommen (siehe Kapitel 10: Die Nachschärfung), können wir die Alpha 1-Auswahl aufrufen, die nötigen Verfeinerungen vornehmen (verkleinern, Kante, eventuell auch differenzierte Deckkraft via Ebene) und dann die fertige Auswahl erneut als 'Alpha 1'-Auswahl abspeichern und damit die erste 'Alpha 1'-Auswahl überschreiben.


Auch wenn im weiteren Verlauf der Bearbeitung immer wieder der Einsatz von Auswahlen nötig werden kann, für selektive Tonwert-Korrekturen oder was auch immer, so sind doch die Schärfungs- und die Entrausch-Auswahl die beiden wichtigsten, und man erspart sich viel Arbeit, wenn man sie gespeichert hat und wieder aufrufen kann.



Abb. 9: Beispiel für eine Entrauschungs-Auswahl. Allerdings sieht man in dieser Darstellung weder die Kantenbeschaffenheit noch die Bereiche mit verminderter Deckkraft.



Abb. 10: Beispiel für eine Schärfungs-Auswahl



Auswahlen verschieben - Auswahlen laden


Eine Auswahl kann bei aktiviertem Auswahl-Werkzeug im → Neue Auswahl - Modus innerhalb angeklickt und mit gedrückter linker Maustaste verschoben und auch auf ein anderes Bild herübergezogen werden. Mit dem Verschieben-Werkzeug kann man sie auch 'mit Inhalt' verschieben (siehe Ebenen-Technik/Kollagen).


Eine gespeicherte Auswahl (siehe hier) kann via


AuswahlAuswahl laden


nicht nur im Ursprungsbild, sondern auch in ein gleichzeitig geöffnetes anderes Bild geladen werden, wenn dieses identische Seitenabmessungen hat. So kann man auch bei einer kompletten Neubearbeitung eines Bilds auf die bereits erstellten Auswahlen zurückgreifen, sofern man sie gespeichert hat.


Über


FensterKanäle


kann man gespeicherte Auswahlen auch in einzelne Farbkanäle laden: den betreffenden Farbkanal anklicken, dann die 'Strg'-Taste drücken und die betreffende Auswahl anklicken, oder die betreffende Auswahl auf das Lade-Icon unten links herunterziehen.


Nicht alle Auswahl-Optionen im Auswahl-Menü konnten hier besprochen werden, aber die meisten sind wohl selbsterklärend und können leicht ohne Anleitung erprobt werden.


Und zum Schluss noch: nach getaner Arbeit nicht vergessen, die Auswahl auch wieder aufzuheben: per Rechtsklick oder im Auswahl-Menü → Auswahl aufheben.




Kapitelanfang

Inhaltsverzeichnis






Kapitel 8: Die Entrauschung




Was ist 'Rauschen' und woher kommt es?


Ursprünglich stammt der Begriff 'Rauschen' aus dem akustischen Bereich, wo er sich auf Störgeräusche - rauschende Schallplatten, rauschender Radio- und Telefonempfang usw. - bezieht. Übertragen auf den Bildbereich sind mit 'Rauschen' visuelle Störsignale gemeint: Wenn eine einfarbige Fläche durch verschiedenfarbige Pixel dargestellt wird, das heißt wenn nicht mehr tatsächliche optische Signale vermittelt werden, sondern zufällige Eigen-Signale der Photodioden, der lichtempfindlichen Pixel des Kamera-Sensors, die in Form von Körnung, Schrot, Grieseligkeit usw. nachher in den Bildpunkten, den Pixeln des digitalen Bilds sichtbar werden.


Auf einem Digitalkamera-Sensor wandeln Millionen von Photodioden das einfallende Licht in elektrischen Strom um. Dabei fließt ein umso höherer Strom, je heller das einfallende Licht ist. Um diese Transformation zu ermöglichen, ist eine Grundspannung nötig, die zufällige Elektronenbewegungen und damit Rauschen verursacht. Bei Dunkelheit tritt dieses Rauschen gegenüber dem relativ schwachen Strom der Lichtumwandlung verstärkt zu Tage, während es vom stärkeren Strom bei zunehmender Helligkeit mehr und mehr verdeckt wird.


Je kleiner und je dichter gedrängt die Pixel auf einem Kamera-Sensor liegen, desto weniger Licht kann der einzelne Pixel aufnehmen und desto ungünstiger wird das Verhältnis der 'Nutzsignale' gegenüber der 'Störsignale'. Dies führt sowohl bei Kompakt-Kameras mit kleinem Sensor als auch bei teuren Spiegelreflex-Kameras mit extremer Megapixel-Zahl zu Rauschproblemen, weswegen vor dem 'Pixelwahn' gewarnt wird.


Auch Erwärmung führt zu erhöhten Elektronen-Bewegungen und damit zu erhöhtem Rauschen.


Eine höhere ISO-Einstellung verstärkt die optischen Signale, gleichzeitig aber auch das Rauschen.


Bei der Bildbearbeitung gibt es viele Möglichkeiten, das Rauschen zu verstärken:


  • Durch Scannen.
  • Durch Tonwert-Korrekturen, insbesondere durch Aufhellung dunkler Bereiche.
  • Durch Anhebung der Sättigung.
  • Und in ganz besonderem Masse: Durch Nachschärfung.


Abb. 11: Beispiel für starkes Rauschen bei einer Kompakt-Kamera mit ISO 400 und wenig Licht. Ausschnitt aus einem Jpeg-Original in 100%-Ansicht meiner alten Dimage Z3.



Wie entfernt man das Rauschen?


Mit dafür spezialisierten Entrausch-Programmen wie Noise Ninja (mit dem ich arbeite) und Neat Image, die man sich am besten als Plug-Ins für Photoshop zulegt und sie dann wie einen PS-eigenen Filter einsetzen kann mit allen Auswahl- und Ebenen-Optionen. Diese Programme berechnen auf Grund einer Analyse der Rausch-Beschaffenheit eines Bilds einen Korrekturfilter, der die Unebenheiten auszugleichen versucht. Zusätzlich wird ein Weichzeichenfilter zur weiteren Glättung angeboten. Auf der anderen Seite hat man mit einem Kontrastregler und einem USM- (Unscharf Maskieren)-Schärfungsfilter die Möglichkeit, Details zu retten und Schärfe zu bewahren bzw. zu erhöhen.


Der Akt der Entrauschung teilt sich bei Noise Ninja in drei Schritte:


1. Profil erstellen: Hier werden einfarbige Bereiche ohne Details im Bild gesucht, um dort die Stärke und Beschaffenheit des Rauschens zu analysieren und den Filter darauf einstellen zu können. Man kann das sowohl automatisch als auch von Hand tun, ich meine, die Automatik erfüllt hier ihren Zweck, die manuelle Einstellung bietet nur dem Fachmann weiterführende Optionen.


2. Die Filter-Optionen einstellen: Bei Noise Ninja gibt es jeweils Regler für die Stärke der Entrauschung, die Stärke der Weichzeichnung und den Kontrast, und dies in zweifacher Ausführung: für das Helligkeits- (Luminanz-) Rauschen und für das Farb- (Chrominanz-) Rauschen. Alle Regler gehen von 0 bis 20 und stehen bei Default auf 10. Zusätzlich kann man Stärke und Radius der Nachschärfung eingeben, die bei Default auf 60/1,2 steht. Die Einstellung dieser Optionen sollte man an Hand des Vorschaubilds nach Augenmaß vornehmen. Als Neueinsteiger hält man sich vielleicht besser erst einmal an die Default-Einstellungen.


Mit einem Maskierungs-Pinsel kann man Bereiche von der Entrauschung ausschließen, was aber sehr mühsam ist und besser durch eine vorher erstellte Auswahl erreicht werden kann.


Es gibt auch die Möglichkeit, die Entrauschung nur auf einzelne Farb-Kanäle anzuwenden.


3. Die Entrauschung durchführen: Stimmen alle Settings, klickt man 'OK',und das Bild wird entrauscht.



Das Problem der Entrauschung


ist, dass ein Entrauschungs-Filter nicht zwischen Nutzsignal (was fotografiert wurde) und Störsignal (dem Rauschen) unterscheiden kann, und daher auch die Nutzsignale entfernt, soweit sie den Störsignalen ähneln. So gehen bei der Entrauschung von fein strukturierten Bereichen viele Details verloren, was zu einem 'weichgespülten', synthetisch glatten Bildeindruck führt. Daher würde ich dringend von Pauschal-Entrauschungen abraten, sei es Kamera-intern, im Raw-Konverter, oder wo auch immer angeboten, und solche Bereiche generell per Auswahl von der Entrauschung ausschließen.


Wer kein Plug-In, sondern ein eigenständiges Entrauschungs-Programm hat, und eventuell ohne die Möglichkeit, selektiv per Auswahl zu entrauschen, kann folgendes tun:


  • Das Bild komplett entrauschen, als Tiff abspeichern und in Photoshop öffnen.
  • Dort das entrauschte Bild mit dem Verschieben-Werkzeug auf eine nicht entrauschte Version desselben Bilds ziehen.
  • Mit dem Radiergummi die Bereiche freiradieren, die bei der Entrauschung Details verloren haben, dann die Ebenen im Ebenen-Menü

    EbeneSichtbare auf eine Ebene reduzieren


    verschmelzen (siehe auch Ebenen-Technik/Ausschluss von Bildbereichen).


Wer kein separates Entrauschungs-Programm, aber Photoshop CS3 hat, kann auf den PS-eigenen Entrauschungs-Filter zurückgreifen, der gute, wenn nicht sogar, wie wir gleich sehen werden, bessere Ergebnisse erzielt:


FilterRauschfilterRauschen reduzieren



Der Normal-Fall:


Wir wählen in einem Bild nur die strukturlosen, unscharfen bis gänzlich aufgelösten Bereiche aus und entrauschen sie mit Default-Einstellung bei deaktivierter Schärfung (denn diese würde ja wieder einen Rausch-Zuwachs bewirken), also in Noise Ninja alle Schieber auf 10, die beiden Schieber der Schärfung links an den Anschlag (0/0,4).


Im PS-Filter → Rauschen reduzieren die höchsten Settings: → Stärke auf 10, → Details erhalten auf 0%, → Farbstörung reduzieren auf 100%, → Details scharfzeichnen auf 0%.


Mit fortschreitender Digital-Technik wird auch diese Standard-Entrauschung wohl zunehmend überflüssig werden.



Der Problem-Fall:


Auch in scharfen und detaillierten Bereichen rauscht ein Bild so stark, dass es stört und 'behandelt' werden muss. Hier leistet der PS-Filter bei angepasster Detailerhaltung sehr gute Dienste. In Entrauschungs-Programmen wie Noise Ninja gilt es nun, den optimalen Kompromiss zwischen Rausch-Entfernung und Detail-Erhaltung zu finden, in dem man mit den Schiebern spielt und das Ergebnis am Vorschaubild überprüft: für einen zu weich gespülten Eindruck ist der Weichzeichnungs-Schieber oft mehr verantwortlich als der Stärke-Schieber, mit beiden muss man wohl nach links in den Bereich um 5, bei gleichzeitig behutsam angehobener Schärfung. Ein einfacherer und vielleicht besserer Weg ist, eine Standard-Entrauschung auf einer Ebene auszuführen, und dann die Dosierung per Ebenen-Deckkraft zu steuern, bzw. ganz gezielt mit dem Radiergummi bei angepasster Deckkraft die negativen Entrausch-Symptome zu entfernen (siehe auch Ebenen-Technik/Ausschluss von Bildbereichen).



Vergleich Noise Ninja contra Rauschen reduzieren


Schauen wir uns einmal an, wie die beiden Filter → Noise Ninja und → Rauschen reduzieren von Photoshop mit dem hoffnungslosen Bild oben zurecht kommen und im Vergleich miteinander abschneiden: Ich habe jeweils das ganze Bild pauschal entrauscht, also genau das getan, was man in 99% der Fälle nicht tun sollte. Alle Bilder sind Ausschnitte aus 100%-Ansichten der Originalgrößen.



Abb. 12: Studieren wir zunächst einmal die Einstellungs-Optionen von Noise Ninja, wobei wir uns auf den Bereich des Helligkeitsrauschens bei deaktivierter Schärfung beschränken. Die drei angegebenen Werte beziehen sich auf die Stärke, die Weichzeichnung und den Kontrast, die bei Default alle auf 10 stehen, wie auch die Schieber des Farbrauschens, die in den folgenden Beispielen auf 10 belassen wurden und bei diesem Bild kaum eine Rolle spielen.


Links oben das beschriebene Defaultsetting: das Rauschen wurde stark reduziert, aber auch sonst ist nicht viel übriggeblieben: das Bild ist ‘platt’. Das verbliebene Rauschen präsentiert sich in Form von hässlichen ‘Kieseln’.


Rechts oben wurde die Stärke, links unten die Weichzeichnung auf 0 gesetzt: das Bild präsentiert sich verrauscht wie gehabt, wobei das Bild links unten noch eine Spur stärker rauscht, was zeigt, dass die Weichzeichnung einen stärkeren Glättungseffekt hat als die Stärke.


Rechts unten wurde der Kontrast auf 0 gesetzt: das Rauschen ist weg, und alles kommt butterweich. In der Gebrauchsanleitung von Noise Ninja wird angemerkt, dass dieser Parameter in den meisten Fällen keiner Korrektur bedarf, und das mit gutem Grund, denn eine Änderung des Kontrasts bewirkt auch eine Änderung der Tonwerte, bei Reduzierung werden die Farben flau, und bei Auswahlen können Ränder entstehen. Daher im Normalfall nicht am Kontrast drehen! Im vorliegenden Fall aber kann eine Kontrastreduzierung die einzige Möglichkeit sein, mit dem Rauschen auf bekömmliche Art fertig zu werden.



Abb. 13: Hier habe ich zunächst alle Schieber auf 0 und dann jeweils nur einen der drei Werte auf 10 gesetzt, um die Wirkungsweise isoliert zu untersuchen. Das Bild links oben zeigt, dass das Programm auch bei 0 entrauscht, und mit dem für dieses Bild bisher besten Ergebnis obendrein, was auf die Deaktivierung des Kontrasts zurückzuführen ist, denn weder das Aufdrehen der Stärke oben rechts, noch das Aufdrehen der Weichzeichnung unten links hat einen nennenswerten Effekt (auch mit den Farbrauschwerten auf 0 sieht das Bild nahezu unverändert so aus). Was eine isolierte Kontrastaktivierung bewirkt, kann man mit Grausen rechts unten bestaunen.



Abb. 14: Untersuchen wir nun einmal die Optionen des PS-Filters ‘Rauschen reduzieren’. Die angegebenen Werte beziehen sich auf die Stärke (Höchstwert 10), die Detailerhaltung und die Farbrauschreduzierung (jeweils bis 100%). Die Schärfung wurde wie bei Noise Ninja deaktiviert, also auf 0 gesetzt.


Die oberen beiden Bilder zeigen, dass sowohl eine voll aufgedrehte Detailerhaltung als auch eine auf 0 gesetzte Stärke gleichermassen schlechte Ergebnisse bringen: in beiden Fällen unbefriedigende Rauschentfernung, und Details, die man retten könnte, sind halt nicht vorhanden...;-).


Bei voller Entrauschleistung und auf 0 gesetzter Detailerhaltung liefert der Filter aber ein überraschend gutes, und, ich wills vorwegnehmen, auch im Vergleich mit Noise Ninja für mich das beste Ergebnis (links unten). Bei voller Detailerhaltung ohne Farbrauschentfernung bekommen wir dagegen das schlechteste Ergebnis (rechts unten).



Abb. 15: Hier nun der direkte Vergleich der beiden Filter mit den für dieses Bild jeweils optimalen Einstellungen: Oben Noise Ninja mit halber Stärke und Weichzeichnung, um möglichst viel Struktur zu erhalten, und auf 0 gesetztem Kontrast, um mit diesem schlimmen Rauschen fertig zu werden. Unten der PS-Filter mit voller Entrauschleistung ohne Detailerhaltung: Das Rauschen wurde in beiden Fällen weitgehend besiegt. Bei Noise Ninja wirkt das Bild etwas feiner und schärfer, bei ‘Rauschen reduzieren’ aber erheblich strukturierter, plastischer und natürlicher. (Natürlich hätte man mit einer selektiven Behandlung vorallem des Himmels in beiden Fällen noch ein besseres Ergebnis erzielen können).



Abb. 16: Hier versuchen sich die beiden Filter nocheinmal selektiv (per Auswahl) an einem leicht rauschigen Milan-Flügel aus einer Aufnahme von Peter Zylla. Der Himmel wurde ebenfalls selektiv mit den angegebenen Settings entrauscht. Bei dem ‘Original’ oben handelt es sich um eine im Raw-Konverter aufgehellte Version.


Bei Noise Ninja hätte hier eine Reduzierung des Kontrasts für ‘matschige’ Farben des Flügels und leicht auch für Ränder an der Auswahlkante gesorgt... Bei ‘Rauschen reduzieren' hätte eine auf 0 gesetzte Detailerhaltung die hier nun definitiv vorhandenen Details im Flügel weich- und weggespült... Für mich ein leichter Punktesieg für den PS-Filter, bei dem vorallem in den dunklen Bereichen die Strukturen klarer herauskommen. (Auch hier hätte sich ein Perfektionist wohl noch selektiv um die immernoch rauschenden Bereiche gekümmert...).


Fazit:


Noise Ninja hat erheblich mehr Einstell-Optionen und bringt in den Händen eines Könners sicherlich sehr gute Ergebnisse. Bei schlimmem Rauschen und gleichzeitig zu erhaltenden Strukturen scheint ‘Rauschen reduzieren’ mit Maximalstärke die Nase aber vorn zu haben und auch sonst mit Noise Ninja zumindest gleichzuziehen, weswegen ich diesen Filter hier empfehlen möchte, nicht zuletzt auch deshalb, weil er viel einfacher zu bedienen ist: mit dem Stärke- und dem ‘Details erhalten’- Schieber lässt er sich sehr bequem dosieren, wobei von Bild zu Bild experimentell herauszufinden ist, ob eine reduzierte Stärke (oft etwas weicher) oder eine erhöhte Detailerhaltung (zuweilen etwas härter) oder nichts von beidem das beste Ergebnis bringt.


Durch Klick auf das Vorschaubild und gehaltener Maustaste lässt sich die Vorher- mit der Nachher-Ansicht vergleichen (bei Noise Ninja mit Klick auf den gebogenen Pfeil rechts neben dem Vorschaubild).



Der Zeitpunkt der Entrauschung


Warum sollte man die Entrauschung vor den Tonwertkorrekturen vornehmen? Weil sie dann meist erfolgreicher arbeitet. Dies ist auch der Grund, warum man sich im Raw-Konverter soweit wie möglich mit Tonwertkorrekturen zurückhalten sollte.


Trotzdem kann es natürlich sinnvoll sein, eine durch Tonwertkorrekturen hervorgerufene Rausch-Erhöhung durch einen anschließenden zweiten Entrauschdurchgang zu bekämpfen.



Abb. 17: Im Vergleich der beiden Bilder unten wird der Vorteil der Entrauschung vor der Aufhellung sichtbar: Der PS-Filter konnte im linken Bild ein wesentlich glatteres Ergebnis erzielen. Ob das verwendete Setting für das Bild das passende war, spielt hier keine Rolle. Bei Noise Ninja kann man im Falle einer Entrauschung danach durch die Erstellung eines neuen angepassten Profils den Schaden weitgehend begrenzen. Links oben das absichtlich unkorrigierte Original aus dem Raw-Konverter, rechts der dramatische Eingriff der automatischen Kontrastkorrektur der ‘Tiefen/Lichter’-Funktion beim Schritt von 0 auf 1%, von dem im nächsten Kapitel noch die Rede sein wird (siehe Tiefen/Lichter).



Entrauschung und HG-Weichzeichnung mit dem Gaußschen Weichzeichnungs-Filter


Auch dies ist eine Möglichkeit, die zur Entrauschung eingesetzt werden kann:


FilterWeichzeichnungsfilterGaußscher Weichzeichner


allerdings eine sehr viel problematischere, da bei einer Radius-Einstellung ab 1.0 aufwärts der Blur-Effekt zu stark wird, und bis Radius 1.0 nur harmlosestes Rauschen in den Griff zu bekommen ist. Außerdem greift der Gauß die Kanten der Auswahl viel stärker an und braucht daher einen größeren 'Sicherheits-Abstand'.


Wozu er sich allerdings hervorragend eignet, ist eine absichtliche Weichzeichnung z.B. eines unschönen oder unruhigen Hintergrunds, wobei man dann nach Bedarf mit dem Radius hochgehen kann bis 30 oder mehr. Natürlich ist das Problem dabei die Auswahlkanten: platziert man sie zu weit weg vom Motiv, fällt die schwächere Weichzeichnung um die Konturen auf, platziert man sie zu nahe, greift der Filter die Konturen an und verwischt sie.


Die Lösung bringt wieder einmal die Ebenen-Technik: wir setzen die Auswahl mit weicher Kante direkt an das Motiv an, erstellen eine Ebene durch Kopie und wenden auf dieser den Gauß an. Dann greifen wir zum Radiergummi und radieren die Konturen des Motivs wieder frei, wobei die Deckkraft 100% betragen und die Kantenhärte der Werkzeugspitze dem Schärfegrad der Kanten des Motivs entsprechen sollte. Nur bei feinen abstehenden Härchen wählen wir verringerte Deckkraft und eine sehr weiche Spitze.


Ist das Motiv freigestellt, können wir die mit dem Radiergummi erzeugte Ebenen-Maske als Auswahl abspeichern:


AuswahlAuswahl ladenHintergrund Kopie TransparenzOK


AuswahlAuswahl speichernOK


Am Schluss verschmelzen wir die Ebenen wieder (siehe auch Ebenen-Technik/Ausschluss von Bildbereichen).


Natürlich stellt sich bei einem solchen Eingriff wieder die ethische Frage: darf man das? Die Antwort lautet: ja, wenn man's gekonnt macht und in der Beschreibung angibt.



Farbabrisse und Banding


Hier geht es um Sonderfälle von Bildstörungen, die einen anderen Ursprung haben als das oben besprochene Rauschen: wenn die Farbtiefe, das heißt die Zahl der darstellbaren Farben für die Pixel eines Bilds nicht ausreicht, um alle Abstufungen eines feinen Farbverlaufs wiederzugeben, können Bänder-artige Stufen - das Color-Banding - oder wolkig ausgefranste Konturen - Farbabrisse - entstehen.



Abb. 18: Ausschnitte aus einem Blumenbild von Pascale. Die latent bereits im Original vorhandenen Farbabrisse habe ich links durch Tonwertspreizung und per Tiefen/Lichter verstärkt. Durch extremes Weichzeichnen und wieder mit Tiefen/Lichter habe ich dann im rechten Bild absichtlich starkes Banding provoziert.



Gegen diese Übel ist kaum ein Kraut gewachsen, wenn sie erst einmal in Erscheinung treten. Zwar kann man den Abrissen mit dem Gaußschen Weichzeichner zu Leibe rücken, handelt sich dabei aber oft Banding ein. Das Vertrackte ist nämlich, dass dieses Banding gerade durch Glättungsmaßnahmen - auch durch zu starkes oder mehrmaliges Entrauschen - verstärkt wird oder überhaupt erst zu Tage tritt. Durch künstliches Hinzufügen von Rauschen - auch dafür hat PS einen Filter im Filter-Menü:


FilterRauschfilterRauschen hinzufügen


- kann man die Bänder zwar wieder einebnen, aber eben zum Preis des Rauschens: den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben... ein wahrer Teufelskreis.


Bleibt eigentlich nur die Option der Vermeidung:


  • Durch Bearbeiten im 16 Bit Modus.
  • Durch behutsames Entrauschen und Verzicht auf Weichzeichnen.
  • Durch behutsamen Einsatz von Tonwert-Spreizung, Aufhellung mit Tiefen/Lichter und ähnlichem: bei den ersten Anzeichen von Banding heißt es: bis hierhin und nicht weiter, bzw. wieder zurück...

Oder man macht aus dem Laster eine Tugend: Farbabrisse können als künstlerisches Stilmittel für eine poppig-plakative Verfremdung eines Fotos genutzt werden und heißen dann Posterisation. Und Color-Banding kann auch sehr hübsch aussehen als grafische Abstraktion, wie das obige Beispiel zeigt... Im Menü


BildAnpassungenTontrennung


kann man sehr schön das allmähliche Entstehen von Banding und dann Farbabrissen beobachten, wenn man den Schieber von rechts nach links schiebt und damit die Farbabstufungen schrittweise verringert.



Neue Möglichkeiten mit Topaz DeNoise


Erst nachdem ich die erste Fassung dieses Leitfadens beendet hatte, habe ich dieses Programm der Firma Topaz Labs (siehe auch hier und hier) kennengelernt und war und bin von seinen Möglichkeiten und Ergebnissen beeindruckt.


Topaz DeNoise bietet auf der Grundlage komplexer Analysen der Bild- und Rauschbeschaffenheit eine intelligente Mischung aus Rauschentfernung einerseits und Bekämpfung von Tonwertabrissen und Banding durch hinzugefügte Körnung andererseits, bei gleichzeitiger Erhaltung und Schärfung von Details, die oft an Klarheit sogar gewinnen.


Präsentiert wird all das in einem übersichtlichen und einfach zu handhabenden Bedienungsfenster mit einer großen 200%-Detailansicht in der Mitte, auf die man klicken und so die Vorher- und Nachher-Ansicht miteinander vergleichen kann, einer Reihe von Presets für JPEG (Jpeg-Originale und Web-Versionen) und RAW (für in PS geöffnete RAWs und aus externen RAW-Konvertern kommende Tiffs) auf der linken Seite, mit denen man im Normalgebrauch absolut auskommt, und einer Reihe von Einstellschiebern auf der rechten Seite, an denen zu spielen wohl besser dem Profi vorbehalten bleiben sollte. Ich vergreife mich höchstens mal am ersten Schieber für die Gesamtstärke (Overall Strength), wenn der Sprung zwischen zwei Presets zu groß ist und ich die beste Einstellung dazwischen vermute, oder wenn ‘strongest’ immernoch nicht stark oder ‘ lightest’ immernoch nicht sanft genug ist.


Meine derzeitige Vorgehensweise bei der Entrauschung mit Topaz DeNoise sieht folgendermaßen aus:


  • 1. Erstellung der Auswahlen für Motiv und HG, beziehungsweise für die scharfen und die unscharfen Bereiche (siehe Kapitel 7: Auswahlen erstellen).
  • 2. Laden der HG-Auswahl und Erstellen einer Ebene durch Kopie (siehe Wie erstellt man eine Ebene?). Damit setze ich dem Programm nur die aufgelösten Bereiche zur Analyse vor und es werden kräftigere Einstellungen errechnet, weil keine Details, sondern nur Rauschen gefunden wird.
  • 3. Entrauschung mit Topaz DeNoise.
  • 4. Nun lade ich die HG-Auswahl, die bei der Erstellung der Ebene durch Kopie unsichtbar wird, wieder neu (Auswahl → Auswahl laden → Hintergrund Kopie Transparenz → Ok), verschmelze die Ebenen, kehre die Auswahl um und erstelle eine Ebene per Duplizieren Kopie (siehe Wie erstellt man eine Ebene?). Die Schritte in Punkt 4 habe ich als Aktion angelegt.
  • 5. Diese Ebene setze ich nun wieder Topaz DeNoise vor. Ungeachtet der Auswahl legt das Programm das ganze Bild seinen Analysen zugrunde, und es sieht im Topaz-Fenster auch so aus, als ob das ganze Bild entrauscht würde, was aber nicht der Fall ist - zurück im PS-Fenster sehen wir, dass die Entrauschung nur auf die Auswahl angewendet wird. In den aufgelösten Bereichen wird nun kein Rauschen mehr gefunden, in der neuen Auswahl aber jede Menge Details, auf die es ‘aufzupassen’ gilt, und es kommen ganz andere Einstellungen heraus. So wähle ich oft für beide Auswahlen dasselbe Preset, was aber meist ganz unterschiedliche Settings bedeutet.



Abb. 19: Hier nocheinmal der Flügel vom vorigen Vergleichstest. Man sieht hier vorallem die deutlichere Herausarbeitung der Details bei Topaz DeNoise (ohne Auswahl angewendet).



Abb. 20: Und auch dieses hoffnungslose Bild hab ich Topaz DeNoise nocheinmal vorgesetzt und mit der damaligen Siegerversion verglichen. Das Ergebnis: deutlich weniger Rauschen und mehr Details.



Abb. 21: Einer meiner schärfsten Libellenköpfe, oben als unbehandeltes (auch ungeschärftes) Raw, unten in zwei Durchgängen für HG und Motiv wie zuvor beschrieben mit Topaz DeNoise entrauscht.



Abb. 22: Mit ISO 400 und wenig Licht rauscht meine Cam schon recht kräftig, wie das obere unbehandelte Raw zeigt. Nach der beschriebenen Behandlung mit Topaz DeNoise siehts dann erheblich besser aus (unten).



Abb. 23: Ein 100%-Ausschnitt aus einem meiner Dajaldrossel-Bilder. Früher hätte ich nie gewagt, so etwas zu entrauschen, mit Topaz DeNoise ist es aber möglich. Oben das unbehandelte (auch ungeschärfte) Raw, unten die Entrauschung mit Topaz DeNoise. In der weiteren Bearbeitung würden nun die Tonwertkorrekturen, die Nachschärfung und eine weitere Entrauschung der geschärften Bereiche folgen.



Abb. 24: Hier habe ich oben ohne vorherige Entrauschung aufgehellt und nachgeschärft, wodurch der Rauschpegel erheblich anstieg. Wie Topaz DeNoise damit fertig wurde, zeigt das untere Bild.


Für die HG-Entrauschung habe ich meist das Preset ‘Raw strong’ gewählt, für die detaillierten Bereiche oft dasselbe mit dann aber sehr viel dezenter errechneten Settings, oder auch ‘Raw moderate’.


Welches das passende Preset ist, muss man per Augenmaß in der 200%-Ansicht des Topaz-Bedienungsfensters herausfinden. Es passt dann, wenn einerseits das Rauschen ausreichend reduziert wird (dazu mehr in die aufgelösten Bereiche schauen), und andererseits keine Details weichgespült werden (dazu in die feinstrukturierten Bereiche schauen).


Fazit: Topaz DeNoise ist in meinen Augen das Entrauschungsprogramm der Wahl.




Seitenanfang

Kapitelanfang

Nächstes Kapitel: Tonwert- und Farbkorrekturen

Inhaltsverzeichnis