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Ich würde euch gerne mal eine Erfahrung schildern, die ich gemacht habe, und die mich verdutzt, verwundert, aber irgendwie auch genervt zurücklässt. Warum genervt? Weil sie sich auch so anfühlt, als würde das Verhalten anderer meine eigene Fotografie schmälern.
Trotz meiner Überzeugung möchte ich vorweg geben, dass es immer eine kleine Rest-Chance gibt, dass ich danebenlag. Ich bin aber doch mittlerweile sehr überzeugt von dem, was ich nun berichten werde.

Was war geschehen?

Während ich in Facebook über meinen Feed scrollte und einige Wildlife-Bilder anderer User im Freundeskreis wie auch in Gruppen betrachtete, wurde mir ein Bild vorgeschlagen, das mir sofort ins Auge stach: Ein leuchtend rot-orangenes Feuerwerk. Das Bild einer Uferschnepfe im flachen Wasser im Gegenlicht, in beeindruckenden Farben und Formen. Dazu die packende Geschichte eines Fotografen, der seine Zeit im Ochsenmoor investierte, um diesen wunderbaren Moment mit Ausdauer, Glück und Geschick einzufangen. Viele viele Likes erhielt der Ersteller dafür, dazu duzende Kommentare, die seine Arbeit lobten.
Soweit so gut. Aber ich bin niemand, der nur über Bilder scrollt, schnell Likes verteilt und weitermacht. Dafür kosten mich meine eigenen Bilder zu viel Zeit. Manchmal möchte sehen, verstehen, lernen, loben, auch mal kritisieren, austauschen. Sobald ich das Bild aber groß hatte, kamen mir gehörige Zweifel über die Authentizität des Bildes. Die Beschreibung der Location passt für mich nicht zum Hintergrund, den ich aus eigener Erfahrung kenne, und der Vogel selbst wies seltsame Strukturen im Gefieder auf. Lag es an der Nässe? War es das Ergebnis technischer Features, etwa Entrauschen? Was eigentlich feine Federn sein sollten, wirkte wie wolliger Flaum, beinahe Pelz.
Ich schreib also, eher zurückhaltend, dass das Bild für mich nach KI aussieht. Und erhielt später die schlichte Antwort: „Ich bin aber Naturfotograf“. Wirklich erklärend war das für mich nicht, und meine Bedenken blieben.
Ich nahm also das Bild, und warf es in 15 Detektoren für die Erkennung von KI in Bildern. 13 davon schlugen an, mit Überzeugung: Das Bild ist zu 99% mit KI erstellt. Nur zwei hatten eigene Gegenteilige Meinung. Einer der Detektoren meldete, er fand ein Wasserzeichen von Open-AI im Bild.
Ich antworte also auf Facebook, dass ich weiß, dass der User ein Naturfotograf ist, dass ich viele seiner Werke kenne, auch aus diesem Forum hier übrigens, und einige davon wirklich richtig, richtig gut finde. Aber ich antwortete auch, dass ich über Aufklärung froh wäre, vielleicht über einen Blick auf das unentwickelte Bild, das RAW. In welcher Form auch immer. Wenig später war ich gesperrt auf seiner Facebook-Seite.

Ich schrieb ihn also hier an. Und erhielt als Antwort, dass er da mal den Photoshop-Support anhauen müsste, was da passiert ist, dass er mich sperrte, weil er keine Lust hätte auf solche Diskussionen. Und dass er niemandem Rechenschaft schuldig sei. Kurze Zeit später war das Foto auf Facebook verschwunden.
Ich denke, dass ich den Verlauf so gut es mir möglich ist, wiedergegeben habe. Und mich würde eure Meinung dazu interessieren. Ich stehe mit so vielen Fragen da, aber auch Emotionen.

- Wie würdet ihr mit einer solchen Situation umgehen?
- Welche Richtlinien, welche Ethik, welchen Kompass sollte man sich als Naturfotograf eigentlich auferlegen?
- Was sagt es eigentlich über „uns“ aus, dass so viele Fotografen die Schwierigkeit an dem Foto gar nicht bemerkt haben?
- Und über andere Betrachter, über uns als Gesellschaft?
- Warum macht ein so anerkannter, begabter Fotograf sowas?

Für mich fühlt sich das wirklich auch einfach nicht cool an, weil es wie gesagt irgendwo auch meine Glaubwürdigkeit untergräbt, oder die eines jeden Fotografen – wenn jemand, der sich zumindest in gewisser Weise einen Namen gemacht hat, plötzlich auf solche Tools zurückgreift, das aber nicht benennt, sondern lieber eine Story erzählt.
(Das alles, nochmal betont, unter der Prämisse, dass ich mit meiner Einschätzung recht habe. Ich bin aber doch ziemlich überzeugt).